Mittwoch, August 23, 2006

dear rosi

„Inzwischen hatte ich die Gewissheit, dass ich die Liebe kennen gelernt hatte, da ich wusste, was es heißt zu leiden.“

Michel Houellebecq, französischer
Schriftsteller

Lies ihn nochmal, diesen Satz. Deutlich und langsam.

Klar steht jedes einzelne Wort nun für sich. Stechend gleich dem Schmerz den sie hinausschreien. Etwas das tief drin ist in dir und mir. Etwas, das dich allein lässt. Um dich herum ein fragender Nebel. Das strahlende Leuchten dazwischen führt nur weiter, tief hinein in die Irre und ist fälschliche Klarheit.
Leid in Vollendung. So tief, dass es zu deinem Lebenssaft geworden ist, aus dem zu zehrst. Es durchströmt dich und du hasst es. Frei davon zu sein, ist dir aber auch nicht möglich.
Wie hoch ist der Preis, den du zu zahlen bereit bist? Wie oft kannst du es noch? Wie unzertrennlich sind Leid und Lust?
Ich weiß, dass Feuer brennt stark. Du machst den Versuch den Flammen zu entkommen. Doch sie klammern sich an dich, wie das Netz einer Spinne. Leicht, fein und kaum sichtbar. Dennoch stark und machtvoll.
"Es ist besser, vielleicht, dann bin ich nicht mehr da" Ich will das nicht hören, nie wieder. Es ist nicht besser, es macht es nicht besser.

Die erste Schritt ist getan. Langsam kannst du gehen. Verlässt das Netz, das dich hielt. Beweg dich raus aus dem düsteren Schleier. Once you were bitten / That's the reason why you lost your faith in love / Twice and that's written / Is the number of chances we get from above / Don't stop just move on / Bad luck had departed.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lenny&Karl! Das ist faszinierend schön! Bitte mehr davon, bitte bald :-)

Zum Thema Liebe und Leid fällt mir ein Lied ein: Ein junger amerikanischer Musiker hat es 1980 geschrieben. Es ist die Geschichte einer jungen Highschool-Liebe, sicher keiner aussergewöhnlichen, aber gerade deshalb so schön.
Ihre Freizeit verbringt das Paar vornehmlich an ihrem Lieblingsplatz, irgendwo da unten am Fluß ("The River"). Nun kommt es, wie es kommen muss: Mary wird schwanger, das Pärchen muss sehen wie es sich durchschlägt. Sie heiraten, schnell, deprimierend einfach, ohne Tammtamm, anscheinend auch ohne große Freude. Ihre Hochzeitsnacht verbingen sie - wo wohl? - an ihrem Platz am Fluss. Das Glück scheint überschaubar, jedenfalls bis unser Mann kurz darauf seinen Job verliert. "Arbeite hart, heirate, gründe eine Familie", so hatte es ihm sein Vater immer versucht einzubrennen. Der Junge verliert seine Ideale. Was bleibt, ist die Liebe zu Mary und "ihr" Fluss.
Heute, Jahre später, quält ihn die Erinnerung immer noch. Die Erinnerung an damals, an den Fluss, der nun längst ausgetrocknet ist, der für ihn und seine Mary aber immer noch Symbol für Beständigkeit und Wechsel zugleich scheint. Ob es damals bessere Zeiten waren, erfährt man nicht. Liebe durch Leid, Leid durch Liebe - das klingt hier leise mit.
Aber worum es in diesem Lied vor allem geht, geht eigentlich noch tiefer:

Ist ein Traum, der nicht wahr wird, eine Lüge? Oder ist es sogar noch etwas schlimmeres?

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Danke :-) Schade dass es anonym war. Wer steckt wohl dahinter? Schreib doch unter "Profil" ne Mail und sags mir?

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Ok! Weiß bescheid und habs verstanden :-) Merci

rennsemmel hat gesagt…

so. nun bin ich hier gewesen und was erwartet mich? intellektuelle literaturkritik! und das zum feierabend. hut ab! hast du das alles selbst geschrieben? weiter so! konnte mit deflef alles klären: gehe nun nicht in den hartz, sondern bleibe bei elterlicher tasche zum drauf liegen. mir egal. melde dich! ciao, cara mia!

rennsemmel hat gesagt…

so. nun bin ich hier gewesen und was erwartet mich? intellektuelle literaturkritik! und das zum feierabend. hut ab! hast du das alles selbst geschrieben? weiter so! konnte mit deflef alles klären: gehe nun nicht in den hartz, sondern bleibe bei elterlicher tasche zum drauf liegen. mir egal. melde dich! ciao, cara mia!

Helene hat gesagt…

Der Satz ist super. Ich werde ihn mir jetzt abpinseln und mir in aller Ruhe in den nächsten Tagen gedanken darüber machen.
Wo hast du ihn her?

Oles wirre Welt hat gesagt…

Zart wie die glitzernden Fäden des frisch gesponnenen Netzes, ebenso stark und packend. Großes Kino!