Donnerstag, August 24, 2006

Diskofox

Rhythmischer Beat, die Lyrics tanzen auf den Schallwellen in mein Ohr, kitzeln die Muskeln und wollen, dass ich mich bewege. HipHop nennte man das.
„Wollen wir Discofox tanzen?“
Stille. Stillstand.
Es dauert einen langen Moment....... So. Jetzt kann ich wieder atmen.
Jung, unschuldig, 23 und vollkommen unvorbereitet an der Tanzfläche einer Diskothek.
Okay vielleicht nicht der Szeneclub der Stadt, aber darauf kann man nicht vorbereitet sein. Ein "nein" reicht auch nicht aus, um in Ruhe gelassen zu werden.
Warum, wieso, weshalb? Oder wieso, weshalb, warum?

Eins-zwo-tepp, und Promenaaade, seitwärts ran, Daaame dreht, eins-zwo-tepp.
Alle Horrorvorstellungen von langweilen Leuten in langweiligen Tanzstunden tauchen in grellem Neolicht, dass sich in müdem PVC spiegelt vor dem inneren Auge auf. Eins, zwei, tipp schießt es mir durch den Kopf und mir wird schlecht.
Doch es wird schlimmer. Widerwillig verrate ich mein Alter, um zu erfahren, dass ich locker zwei Jahr älter aussehe. Hallo? Welchen Film fährt er denn? Äußerst passend, das hinterhergeschobene (mitleidige) Lächeln über meinen Namen. "Typisch ostdeutsch."

Oh man ist die Luft plötzlich dünn, ich fall gleich vom Stuhl.
Ich bin nur noch nicht sicher ob vor Wut, Ungläubligkeit oder sogar tiefsten Mitleid mit ihm und mir.
Hätte er sich die Anmachsprüche auf der Toilette seiner Uni abgeschrieben, hätte es nicht schlimmer sein können.
Ausgehen ist anstrengend. Sollte ich etwa jetzt schon zu alt oder zu anspruchsvoll sein? Und wenn nicht, warum dann doch? Will man das und wies lässt man es nicht?
Ab jetzt steht es also fest: Nie, niemals lerne ich Discofox. Nicht jetzt, nicht später. Nie.

Mehr zum abgewöhnen. Wieeee-ge-schritt. Nachtanzen auf eigenen Gefahr!

Kommentare:

Colonel Hapablap hat gesagt…

Journey into the heart of Hamburg-St. Pauli on a saturday night:

"I've seen the horror. Horrors that you've seen.

The horror ...the horror..." (whispering)

Colonel Hapablap last words

Lenny_und_Karl hat gesagt…

I've seen thoses websites. I saw what they can do. How powerful they are. I'm scared. But I'm laughing. Laughing till I cry.

Lennys last words, dying.

Killer Joe hat gesagt…

Grenzerfahrungen

Zwei Dinge, die nicht unerwähnt bleiben sollten:

1. Der Begriff des "Tanzsportgerätes", als vermeintlich witzig gemeintes Substitut für "Tanzpartner(in)" - zeigt die ganze Perversion der "Szene".

2. Samstag Abend, Disse oder kleiner Club, egal, brechende Fülle, beißender Zigarettenqualm, ein Bier-Sekt-Schnaps-Gemisch auf dem Boden, Kondenswasser tropft von der viel zu niedrigen Decke. Bebende Bässe, coole Mucke, Flasche kühles Bier, paar Kumpels, zappel-zappel, Alltag vergessen, lost in music. Kleines Glück! Die einsame Schöne neben dir hat Spass, kommt näher, nääher, näääääääher - RUMMS!
Weggefegt von zwei Tanzwütigen - sie pinkes Polo, Halstuch, Ohrstecker aus Süßwasserperlenzucht; er auch pinkes Polo, Kragen hochgestellt, die fettigen blonden Haare lässig zurückgegelt. Denken sie tanzten im Sonnenschein der Dunkelheit ihren Jive, Discofox oder Pasodoble. Holta-di-polta, John Travolta... WUT, ENTRÜSTUNG, HASS.

Darf ich bitten?
Killer Joe

Anonym hat gesagt…

Irgendwie finde ich den Spruch aber schon fast wieder originell in seiner stocksteifen Sprödigkeit. Nur fast, aber... ;)

Oles wirre Welt hat gesagt…

Huch. Gelte ich jetzt schon als anonym? :)

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Ole:
Da warst du wohl nicht eingeloggt? Der Spruch ist richtig nur "fast" originell und stürzt deshalb nach hinten völlig ab. (vor allem in Verbindung mit der Person aus der er heraus kam)

Oles wirre Welt hat gesagt…

Die Person habe ich ja nicht gesehen, der Aspekt fehlt mir ja gänzlich. Ich selbst hätte (natürlich!) weitaus originellere Sprüche parat (die selbstredend aber auf die jeweiligen Situationen maßgeschneidert werden, dass ich hier keinen vorbringen kann). :)Außerdem müsste ich erst im Gedächtnis kramen, um statt geschmeidigem Ausdruckstanz wieder einen Discofox auf's Parkett zu legen.