Freitag, September 08, 2006

Factual Entertainment unter der Dusche

Von rechts nach links schwingt der kleine Roboter die metallenen Schultern und versucht passend dazu das graue Plastik seiner Hüften kreisen zu lassen. Der kleine Elektroroboter ist der einzige der am Ende der D-MAX Party noch tanzt. Alle waren sie zur Launch-Party des neuen Fernseh-Senders D-MAX geladen worden. Und alle waren sie gekommen. Die PRler, die Journalisten und Möchtegern-Allrounder. Essen und Trinken für lau, sorgten dafür.

Der Chef des Senders erklärte, man wolle „factual entertainment“ machen. Was das ist wussten danach alle auch nicht genauer. Fest stand, dass dieses themenbezogene Entertainment auf der Party aufgebaut war. Sport: Ein junger Mann (wahrscheinlich Schauspielr, kurz vorm großen Durchbruch) dehnte sich im Turnleibchen nach den anstrengenden Liegestützen vor den Spinten. Um alle im Anschluss mit einer öffentlichen Dusche zu erfreuen. Der Rucksackreisende spielte spontan Bongotrommel mit Klavierbegleitung und löste dann den angehenden Hollywoodstar unter der Dusche ab.

Aha! Eine Werkzeugabteilung, Autos in denen Hostessen die Scheiben von innen putzten, ein paar Motorräder, dazu Erdbeerprosecco, kleine Häppchen und frisch gedrehte Zigarren in der Bibliothek. So sieht also factual entertainment im Fernsehen nur für Männer aus.

„Nie wieder Sissi!“ dachte sich während dessen auch Ignaz Rubinstein, nachdem ihm der durchdringende Geruch künstlichen Vanilleextraktes der lodernden Duftkerzen zu Kopf stieg und fast die „behaarte Seele“ vernebelt hätte. Rubinsteins heutige Mission war klar umrissen: Abgreifen statt bekehren und die Visitenkarte des wohl hochkarätigsten Gastes einheimsen, der sich an diesem nasskalten Abend finden ließ. Gesagt, getan, auf zur Kaltakquise: „Oy, Miester Aust, biete entschuld’gen Sie. Ignaz Ruubinschteeeihn min Name. Iech bien där Scheffreportär där Jä-chusalem Pohscht, hier iest mäine Kaarte. Haben Sie von dem läckren Lox und den Bägels probiert? Keestlich, keestlich…“ Nun, der Plan ging auf, wie er immer aufging, Visitenkarten wurden ausgetauscht und man plante, sich doch wieder zum Essen zu treffen. Welch Chuzpe, Herr „Rubinstein“, der mit Ignaz Rubinstein ungefähr so viel zu tun hat, wie Alexandra Neldel mit Lisa Plenske. Dafür war er nun im Besitz der Visitenkarte von Stefan Aust. Immerhin! Ein schöner Abend für unseren Aufschneider „Herrn Rubinstein“. Die Vanillekerzen brannten fröhlich weiter.

Heiß brannte auch das Feuer der polnisch-angolanischen Soul-Diven-Kombo. Zwar traute sich außer unserem sportlichen Hollywoodstar und seiner ebenso käuflichen Tanzdame keiner zu tanzen, aber jedenfalls schwoften beide so gekonnt, dass man nicht fürchten musste, Papi hole sie gleich aus der Tanzschule ab. Mit fadem Geschmack von einem halben Meter Zigarre und einem erhöhten Cholesterin- und Alkoholspiegel stellte sich schnell Glückseligkeit ein, die eigentlich nur das wild vor sich hinduftendes Parmesanbüfett jäh zerstören konnte. Also Stellungswechsel.

Schwere Ledermöbel haben einen klaren Nachteil: Einmal in sie versunken, möchte man kaum wieder aufstehen. Musste man auch nicht, denn allerlei lukullische Leckereien wurden gereicht; einem römischen Centurio auf Heimaturlaub hätte es nicht besser gehen können. „Frollein, die Pfauenfeder, da geht noch was!“ Und so setzte der Abend langsam zur Landung an, Abba sangen sehnsuchtsvoll ihre „Dancing Queen“, die Endlosschleife DMAX-TV flimmerte weiter über riesige Flachbildschirme und unser Duracel-Hollywoodstar zeigte erstaunliche Kondition beim Zappeln. Und langsam, ganz laaangsam brannten auch die Vanillekerzen nieder.

In Coorporation with Ignaz Rubinstein from J.

1 Kommentar:

kreuzberger hat gesagt…

Hört sich nach einem typischen netten Abend für Medien- und Möchtegern-Medien-Menschen an. Ein Parmesanbüfett wäre allerdings Grund genug, den Ort fluchtartig zu verlassen.

Über Kabel und Satellit kann man den seltsamen Sender wohl angeblich sogar schon in vielen Gegenden sehen, bei DVB-T siehts eher anders aus: "DMAX ist (...) über DVB-T in vielen Städten Deutschlands zu empfangen" - die "vielen" Städte sind exakt 6 + meine Heimat, der trostlose Unterweserraum. Manche PR-Texter sollten mal über die Verwendung von Wörtern wie "viel" nachdenken.