Samstag, Januar 13, 2007

Warum ist das so? Ist das normal?
Wie passend, dass es heute regnet. Draußen scheint alles stumpf, grau und trist. Die Sonne scheint nie wieder hinter den Wolken hervorkommen zu wollen. Sie beschützen sie, packen sie weich ein, halten sie am Himmel, damit sie nicht fällt. Hinab in die Tiefe bodenlos und felsig. Rundherum breiten sie ihr schützendes Kleid aus. Grau sind sie, ein Schleier umhüllt sie, damit sie nicht sehen muss, was um sie herum passiert, damit sie da bleiben kann wo sie ist. Und es gefällt ihr hier. Auch wenn das Sichtfeld eingeschränkt ist, empfindet sie Zufriedenheit. Sie will allein sein, zurückgezogen und beschützt.
Doch für immer wird das nicht gehen. Warum eigentlich nicht? Was hält schon ewig? Ein lange Kette von Fragen türmt sich auf und kratzt am beschützenden Wolkenkranz. Warum hört es auf, plötzlich oder auch schleichend? Sie wünscht sich das Gefühl der Undendlichkeit zurück, dieses Gefühl, dass sagt, dass es für immer hält, voll Hoffnung, Sehnsucht und Erwartung. Wer bestimmt, das es aufhören muss? Habt ihr beide von Anfang an nur einen bestimmten Vorrat und ist der aufgebraucht, dann ist die Zeit vorbei? Das kann sie nicht glauben, etwas das darauf ausgelegt ist ein Leben lang zu halten, kann sich doch nicht aufbrauchen. Das gibt es doch noch, oder? Das muss es noch geben. Sie will glauben, dass es so ist. Ein paar Jahre, dann ein Ende und der Kreislauf beginnt von vorn, immer wieder, immer wieder Schmerz und Verlust. Das will sie nicht glauben. Sicher Arbeit und Mühe sind notwendig, manchmal Aufopferung und Vertrauen. Lässt sich so die Zeit verlängern, kann der Vorrat so aufgestockt werden, überfüllt um bis ans Ende unerschöpflich zu sein?
Sie breitet ihre Strahlen aus, zieht das Wolkenfirmament dichter an sich und trocknet ihre Tränen mit dem weichen weiß und grau. Ihre Tränen fallen herab, erst in Tropfen dann in Strömen.

Kommentare:

Halies hat gesagt…

Dieser Text ist einfach nur wundervoll.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Danke, das bedeutet mir wirklich was!

Pe Pe hat gesagt…

Genau genommen scheint die Sonne auch im sicheren Wolkenkleid noch genauso hell wie vorher, allerdings verhindern die Wolken, dass alle das sehen können.
Und wenn wir etwas nicht sehen, fällt es uns bekanntlich schwer daran zu glauben.
Ein Rezept für die Ewigkeit gibt es leider nicht. Gäbe es aber eines, wären sicherlich Glaube und Vertrauen ein Teil der Zutaten.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Pepe: Das ist wirklich schön gesagt, da hab ich eine Träne verdrückt.

Pe Pe hat gesagt…

Manchmal hilft es auch sich daran zu erinnern, dass man nicht allein ist.

Alles wird gut.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@pepe: Wunderschöner Text. Hab ihn gelesen, vielen lieben Dank für den Link.

Melli hat gesagt…

Wie ich es immer wieder gerne sage...

...Die Welt in der wir leben erscheint an manchen Tagen als eine Illusion aus Träumen und Wünschen die wir uns erhoffen...

Lass den Kopf nicht hängen! Meist ist vieles nicht ganz so grau, wie es auf den ersten Blick scheint...

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Melli: Danke dir, schön gesagt. Aber grau ist es trotzdem, es regnet in den letzten Tagen ständig. :-)