Mittwoch, März 14, 2007

Eintritt frei?!

Seit heute nicht mehr. Bildung ist unserer teuerstes Gut. In Zahlen heißt das 275€ pro Semester. Das verlangt die Westfälische Wilhelms-Universität Münster seit heute für ihre Dienste, pro Student, pro Semester versteht sich.
Mit 11 zu 12 Stimmen wurden der Gebührenantrag heute vom Senat verabschiedet. Zu bedenken ist an dieser Stelle, dass bei einem Stand von 11 zu 11 der Antrag als abgewiesen gilt. Was für ein Sturzsieg!
Und das nachdem die Rektorin vor ihrer Wahl ausdrücklich gegen Studiengebühren gesprochen und das Gesetzt sogar kritisiert hat.

Kaum im Amt kann die Uni "keine Insel mehr sein", "besteht Bedarf" und "muss über Studiengebühren nachgedacht werden".
Alle sachlichen und logischen Argumente von AStA und Fachschaften nützen nix. Da hilft es auch nicht, dass der Institutsdirektor "privat" natürlich ganz der Studierendenmeinung ist, im offiziellen Amt aber eine entgegengesetzte Position vertritt.

Was machen Verantwortung, Macht, eine hohe Position in der Verwaltung und die Jahre nach dem Studium nur aus den Leuten an der Uni? Fremdes Geld lässt sich ja immer leicht ausgeben.
Erfahrungen anderer Unis haben gezeigt, dass Studiengebühren langfristig keine Verbesserungen mit sich bringen, da die Länder sich nach und nach aus der Finanzierung der Hochschulen zurück ziehen. Willkommen in der Null-Summen-Rechnung.

Es gibt nicht mehr Lehrende. Nur für Fächer die jetzt schon einen Studierendenüberschuss haben.
Es gibt auch keine neu gebauten Gebäude, um mehr Platz für Vorlesungen und Seminare zu schaffen. Diese dürfen laut Gesetz nicht aus Studiengebühren finanziert werden.
Genau wie ein paar andere Dinge.
Um die 40 Prozent der Gebühren, die die Studierenden nicht zahlen möchten, gehen für die Verwaltung einer Sache drauf, die keiner der Studierenden haben wollte.

Bildung für jeden? Das war einmal. Ab jetzt wird sie buchstäblich zum teuersten Gut!

Kommentare:

Halies hat gesagt…

Bis vor einigen Jahren dachte ich immer, Deutschland sei progressiv. Fehlanzeige!! Wir hinken hinterher.
Schaut man sich die skandinavischen Länder an, bekommt man Angst. Passend, den dort erhalten Studenten sogar Geld, um studieren zu können und nicht gerade wenig.

Man in Metropolis hat gesagt…

Das Schlimme ist, das mal wieder nur an den Symptomen herumgedoktert wird und nicht das eigentliche Strukturprolem angegangen wird.

Solange die, die selbst mit dem Filz verwoben sind, diesen besetigen sollen, wird es nie eine wirklich saubere Lösung geben.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Halies: Das ist wohl wahr. Jetzt sind wir nur bei 275€. Aber so bleibt es nicht. Traurig ist, dass die WWU sich mit anderen Unis, die bereits Studiengebühren haben ausgetauscht hat und dennoch nicht sieht, das es langfristig nicht die richtige Lösung ist.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@MiM: Da geb ich dir recht. Das Rektorat hat den Instituten ein Papier zukommen lassen,auf dem sie auflisten sollten, welchen Bedarf sie haben. Klar hat ein Institut immer Bedarf. Aber dann zu sagen: "Die brauche ja alle Geld, deshalb brauchen wir Studiengebühren" ist lächerlich.

SirParker hat gesagt…

Hab sogar gelesen, dass die entscheidende Stimme von einem Studenten gekommen sein soll.

Bin jedenfalls froh, dass mir die FU Hagen eine Mail geschickt hat, in der steht, dass bis einschließlich SS 2009 keine Studiengebühren erhoben werden. Dann kann ich mir die 335€ noch eine Weile sparen.

Jule hat gesagt…

Wir zahlen seit diesem Semester 632,- Euro Studiengebühren. Und merkt man bei den Studienbedingungen irgendetwas davon? Nein, natürlich nicht.
Im Gegenteil. Da werden Gesetze geändert, nach denen nur noch zwei Professoren eine Magisterarbeit betreuen dürfen (Und nicht wie bisher 1 Professor und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter). Resultierend daraus findet man kaum noch einen Professoren die Hurra schreien, wenn man sie nach der Betreuung fragt. Alle sagen "ich hab schon so viele. Fragen sie mal dort und dort.." Beim Dekan nachgefragt "Tja....dann müssen die Studenten eben warten und ein Semester länger studieren"

Irgendetwas läuft hier ganz gewaltig gegen die Wand und ich mach drei Kreuze, wenn ich demnächste die Akte Uni schließen kann.

Chilli hat gesagt…

Hier in Bremen habe ich gerade meine zwei, mir zustehenden Urlaubs-Semester verbraucht, um meine Diplomarbeit fertigschreiben zu können. Sonst wären das für mich 670 € pro Semester geworden. 170 € "standard" Gebühr und 500 € Strafgebühr für zu langes Studieren (15. Sem), aber Praxiserfahrung soll ja schon während Studiums gesammelt werden.
Seltsam, dass in diesem Zusammenhang das Argument des Erhalts der Wettbewerbsfähigkeit in Hinblick auf das Hernazüchten der "geistigen Elite" keine Wirkung zeigt. Whatever, Fachleute aus dem Ausland sind eh billiger als die Einheimischen Gierlappen.

kreuzberger hat gesagt…

Dass die entscheidende Stimme eventuell von einem Studenten kam, steht auch bei SpOn.

So wie jetzt über Gebühren gesprochen wird, ist es definitiv der falsche Weg. Denn sie dienen nur als Alibi, damit die Länder sich aus der Finanzierung zurückziehen können. Wie MiM schon gesagt hat, werden so aber nicht die strukturellen Probleme gelöst. Den Studenten Geld abzunehmen, halte ich für sozial ungerecht - so haben in der Praxis eben nicht mehr alle die gleiche Chance auf Bildung.

In Australien soll es ein Gebührenmodell geben, das ich für akzeptabel hielte. Dort zahlen die fertigen Akademiker wohl einen niedrigen Prozentsatz ihres Einkommens für ihr Studium, wenn sie genug verdienen. Dieses Modell hat in Deutschland aber wohl keine Chance, weil dann erst nach ein paar Jahren Geld reinkommt und nicht sofort.

Halies hat gesagt…

@ Kreuzberger: Warum sollte das australische Modell hier nicht Fuß fassen können? Machen es Verbindungen nicht ebenso - zumindest einige?

lesof hat gesagt…

wir zahlen hier in jena aktuell 140 tacken pro semester,wer über der regelstudienzeit ist, packt noch mal 500 euro extra oben drauf. unsere uni ist trotzdem so pleite, daß studienunterlagen nicht mehr zugeschickt werden können, c3und c4-professuren umgewandelt werden in zwei stellen, um wenigstens noch den bildungsablauf gewähren zu können. dummerweise bewirbt sich keiner auf die stellen,weils zu wenig kohle gibt. nebenbei hat man mal schnell die kosten-und studienzeitverkürzende alternative des credit-point-system eingeführt. die points können aber nicht erworben werden,weil die dafür notwendigen veranstaltungen wg personalmangels nicht abgehalten werden. is aber alles nich sooo schlimm,so lange sich die uni in allen repräsentativen gebäuden auch eine über-nacht-beleuchtung leisten kann und im jahr 30.000 euro mietgebühr für drei verkackte frank-stella-instellationen auf dem campus rausdonnert...vom aufgeblähten bürokratieapparat mal ganz zu schweigen. ich persönlich finanziere mit dem betreuungsgeld für den stuwe-kitaplatz meiner tochter auch noch zu einem großen teil den mensa-fraß mit, statt den kindergarten meiner tochter. ach, ich könnt n ganzen roman drüber schreiben, so regt mich das auf.ich arbeite selbst an der uni und das, was ich im monat raus hab is weniger als der hartzIV-satz für ne alleinerziehende plus mietzuschuß. find ich auch nicht schlimm.mir is es ja wesentlich wichtiger, daß der ein oder andere dozent seinen umzug von x nach jena komplett bezahlt bekommt von der uni. argh. ich sags dir, wenn man da erstmal drin steckt in diesem ganzen uni-interna-müll, kriegt man das kotzen darüber, was die so sinnlos verpulvern

kreuzberger hat gesagt…

@Halies: Die Gebühren sollen meiner Meinung nach vor allem kurzfristig Geld in die Kassen der Länder und evtl. auch der Unis spülen. Werden die Gebühren aber erst im nachhinein erhoben, würde es dauern, bis die ersten Absolventen einzahlen. Denn einfach zu sagen: "Ätschbätsch, Ihr seid zwar schon seit fünf Jahren fertig, aber jetzt zahlt mal schön Eure Studiengebühren." - das ginge meiner Meinung nach wegen des Bestandsschutzes nicht. Auch wenn ich persönlich dazu bereit wäre, meiner geschätzten Uni nachträglich Geld zukommen zu lassen (was ich auch gelegentlich per Spende tue).

kreuzberger hat gesagt…

@Halies: Wie Verbindungen es machen, weiß ich übrigens nicht. Mein Bild dieser Vereine ist nicht gerade besonders positiv, aber das können auch einfach nur Vorurteile sein.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@SirParker: Sie Glückspilz, vielleich wechseln wir alle zu ihrer Uni.
@Jule: Das ist ja das Problem. Auch die WWU -insbesondere das Rektorat- hat falsche Versprechungen von besserer Betreunung, Lehre und Ausstattung gemacht, die viele Studenten glaube lassen, dass Studiengebühren ok sind, wenn sie dafür besser studieren können. Aber dem ist nicht so.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Chilli: Praktika sind weiterhin ein schönes Thema. Wie soll der Student welche in den Semesterferien machen, wenn er sich da die Kohle für die Studiengebühren und den Lebensunterhalt verdient, denn ja liebe Profs, Rektoren und insbesondere Pro-Rektorinnen. Es gibt Studenten die MÜSSEN sich zum größten Teil selbst finanzieren.

@Kreuzberger: Ja wohl einer der BWLer. Und andere Modelle außer Studiengebühren sind durchaus denkbar. Neben deinem Vorschlag gibt es noch weitaus mehr an Kosteneinsparungen, Drittmitteln etc. Aber bequemer, sind halt Studiengebühren. Gern aud legitimiet und "Wettbewerbsfähig" sein zu können gegenüber Unis, die die schon haben.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@lesof: Das kann ich nachvollziehen. Als Fachschaftsmitglied stehst du in ständiger Kommunikation mit Institut, ASta etc. Vor allem, wenn eine Dozentin des Instituts Prorektorin ist. Auf die Details einzugehen erfordert zuviel Platz. Nur noch eines: Allein die Vorgehensweise bei der Einführung und Legitimation der Studiengebühren war so unglaublich, dass man sich schämen könnte an einer wissenschaftliche Einrichtung zu sein und Wissenschaftler argumentieren zu hören, wie jemand, der grad seine Baumschule absolviert hat.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@alle: Noch ein kleiner Nachtrag. Der Student der für diesen Antrag gestimmt hat, ist BWLer, heißt Max Brüggemann und muss sich grad einige schlimme Vorwürfe auf seiner Pinnwand im Studivz gefallen lassen. An seiner Stelle würd ich heut nicht mehr auf die Straße gehen und morgen auch nicht.

kreuzberger hat gesagt…

@Lenny: Kosteneinsparungen (z.B. durch Bürokratieabbau) und Drittmittel sind sicher auch ein Weg. Bei Public-Private-Partnerships besteht aber immer die Gefahr, dass die Geldgeber Einfluss auf Forschung und/oder Lehre nehmen. Das ist also eine sensible Sache, die ich aber grundsätzlich positiv sehe. Denn wenn von dem Geld z.B. Profs oder Dozenten bezahlt, Hörsäle renoviert oder Bücher oder erforderliche technische Geräte gekauft würden, käme es ja direkt den Studenten zugute.

Der Mitch hat gesagt…

Ich habe heute meinen Beitrag gezahlt...658 Euro...Bitter! Die "geringen" Gebühren von knapp 300 Euro in Münster werden leider nur der Anfang sein. Die Rechnung wird aber auf kurz oder lang von jemand anderes bezahlt...da bin ich mir sicher...

Tompa hat gesagt…

Ich muss hier in Heidelberg über 500 Euro pro Semester bezahlen, und ja, ich finde das auch ganz gut so :)

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Mitch: klar ist das nur der Anfang, aber der ist gemacht und ein zurück gibts wohl nicht mehr.

@Tompa: Mich würde interessieren, warum du das gut findest,seit wann ihr die habt und was sich verbessert hat.

der Nachbar hat gesagt…

Geht es eigentlich wirklich um Bildung, oder nicht vielmehr um gleiche Berufschancen für alle? Denn die Bildung, die den lieben Studierenden auf Universitäten so vermittelt wird, lässt sich doch wirklich in der Pfeife rauchen. Dort werden doch in erster Linie Fachidioten ausgebildet, wer darüber hinaus sich noch bilden möchte, dem steht dies natürlich frei - außerhalb der Uni, im wirklichen Leben.

nina hat gesagt…

zum kotzen! ich zahle 602 euro pro semester. wirklich zum kotzen. und sowas von unfair!

nina hat gesagt…

wieso kann man meinen namen eigentlich nicht anklicken? ich schreib bei "ihre webseite" immer meinen blog hin aber es geht irgendwie nicht. ist das nur bei mir so? ich versuchs jetzt nochmal..

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Nina: Ja echt ein leidiges Thema. Und dann von den Leuten, die von Beruf sind zu hören: "Nehmt doch einfach nen Kredit auf, schreibt gute Noten, greift nen Job ab und zahlt das zurück" Oh man hat man leicht reden, wenn man selbst noch nie für den Unterhalt gearbeitet hat.
Hey und beim zweiten Mal hats mit der Verlinkung funktioniert. Was hast du anders gemacht?

nina hat gesagt…

ich war so schlau http:// davor zu schreiben ;-)

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Nina: Ah ok, dann weiß ich ja auch für andere Blogs, wie es geht. Danke für die Info :-)

Deliah hat gesagt…

Bildung ist eine Investition.
Studiengebühren können, richtig eingesetzt, sehr sinnvoll sein.

Man muss sich nur andere Länder ansehen - sagen wir England - wo mit viel besseren Verhältnissen studiert werden kann als hierzulande.

Zumindest oft.

Ich stimme dir zu, dass die Gelder richtig verwendet werden sollten. - Werden sie das nicht führt das natürlich alles ad absurdum.

Ich persönlich finde es eher schlimm, dass Kindergärten etwas kosten - das am Rande...

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@deliah: Das stimmt wohl, aber zwischen denen und uns liegen Welten. Vor allem, weil eine Berfskommission in Münster in ihrem Bericht festgestellt hat, dass die Gebühren nicht zu einer Verbesserung der Lehre führen werden.

Deliah hat gesagt…

Ach, schweres Thema... unsere Lehranstalten hätten so viel Nachholbedarf...:/