Samstag, Juli 28, 2007

Eine Frage des Gewissens

Das Gewissen entscheidet über gut oder schlecht. Ist der Kopf anderer Meinung, zwingt es ihn dennoch oft in die Knie.

In einer Misere reichen Gut oder Schlecht, Schwarz oder Weiß für die Situationsbeschreibung oft nicht aus. Was tun?

Entscheide ich mich für eine Seite, stoße ich jemanden vor dem Kopf. Da gilt es abzuwägen, ob die Sache so essenziell ist, dass sie nicht verschwiegen werden kann. Nutzen und Schaden sollten berücksichtigt werden und vielleicht auch eigene Vor- und Nachteile.

Auch die Entscheidung für die andere Seite bringt das Verprellen wichtiger Personen mit sich. Allerdings würde dann ein vermeitlicher Missstand aufgedeckt. Das Gewissen weiß keinen Ausweg.

In solchen Fällen mischt sich der Verstand ein. Rational zählt er Vor- und Nachteile auf und bringt die Zukunftsvariante ins Spiel. Welche Auswirkungen hat das, was ich heute tue, auf meine Situation morgen und übermorgen?

Hier zählt ebenfalls der Faktor der Abhängikeit. Dass Entscheidungen in einem Netzwerk getroffen werden müssen, was aus Abhängigkeiten und Koexistenzen besteht. Für das Gewissen berechtigte Entscheidungen können das Netzwerk erheblich schwächen oder zum Teil zu zerstören. Ich hasse diese Abhänigkeiten seien sie finanziell, sozial oder beruflich. Oft verlangen sie Entscheidungen, die eine Freiheit nicht mit sich bringen würde.

Gerade wenn es um Öffentlichkeit geht eine schwierige Entscheidung. Als Journalist zum Beispiel steht die Frage im Raum, ob die vertrauliche Information einen Freundes verwendet werden sollte, wenn klar ist, dass sie ihm, einem selbst und anderen Personen erheblich schaden könnte. Anderseits könnte essenzielle Wahrheiten aufgedeckt werden. Diese Kontrollaufgabe des Journalismus eine kritische Funktion, die nur über Öffentlichkeit funktioniert. Und ab wann kann man eigenes Handeln durch journalistische Maxime legitimieren, wenn man es selbst nicht direkt aus Beruf ausübt. Wann verfügt man über genügend Öffentlichkeit, um das Handeln darüber zu legitimieren, dass die Aufklärung einer relevanten Teilöffentlichkeit entsteht?

Sag ich der Freundin, was ihr Freund mir über sie erzählt hat, wenn er doch tierisch betrunken war. Verschweige ich lieben Freunden lieber Dinge, die sie extrem verletzten würden, wenn sie von Personen stammen, die überhaupt nie für sie wichtig waren.

Gewissensentscheidungen sind eben nicht einfach. Und manchmal habe ich das Gefühl sind wir zu feige, den offenen aber konfrontativen Weg zu gehen. Die Richtigkeit der Entscheidung zeigt sich zumeist sowieso erst nach einiger Zeit. Das heißt es dann: Abwarten!

Kommentare:

Der Mitch hat gesagt…

Du hast eins vergessen...die Bauchentscheidungen. Da ist manchmal die Lösung zu finden.

Ich bin erkaeltet hat gesagt…

Wenn ich Gewissensentscheidungen hab, besauf ich mich, und entscheide dann.

Der Mitch hat gesagt…

Och...die Möglichkeit mit dem Besaufen unterstütze ich!

kreuzberger hat gesagt…

Meistens entscheidet doch eh der Bauch und der Kopf überlegt sich hinterher, wie er diese Entscheidung rational rechtfertigen kann.

Ansonsten stimme ich meinen Vorrednern natürlich besinnungslos, äh bedingungslos zu.

Jimmy Lightning hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Jimmy Lightning hat gesagt…

Schweigen ist (zumindest oft) Gold.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

@Mitch: Stimmt schon, aber Bauchentscheidungen gehen nicht immer. Im konkreten Fall, war das schwierig, aber Einfluss haben sie auf jeden Fall.

@ichbinerkältet: Blöd nur, dass ich nicht trinke. Und jetzt?

@mitch: War klar.

@Kreuzberger: Aber das würde ja fast Bedeuten, dass Bauchentcheidungen immer irgendwie nicht gut sind, oder?

@Jimmy Lightning: Das wird sich wohl noch zeigen.

Ich bin erkaeltet hat gesagt…

Gras rauchen.

;-)

Der Mitch hat gesagt…

Nee...Gras rauchen macht zu lethargisch und hat keinen Stil. Es ist doch ein sehr viel besseres Bild in einer abgefuckten Kneipe an der Bar zu sitzen, etwas zu trinken was man nicht mag und nicht verträgt und über die Entscheidung nachzudenken. Yeahhhh...das ist Romantik!

kreuzberger hat gesagt…

@luk: Wieso? Ich meinte "rechtfertigen" eher im Sinne von "begründen". Und man kann ja auch gute und richtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen, für die der Kopf dann hinterher sachliche Argumente liefert. Ich glaube, dass man oft intuitiv weiß, was die bessere - oder weniger schlechte - Entscheidung ist, und dass der Verstand das dann nur noch argumentativ unterfüttert.