Mittwoch, September 19, 2007

Lilly - Teil 2

Mit spitzen Nägeln kratze der Rauch an den Wänden, er suchte einen Ausweg. Lilly stand bewegungslos im Raum. Es war still. Der Rechner keuchte Staubreste aus seinem Inneren, die Stereoanalage lag im Dunkel. Die Lichter flatterten und zuckten. Sie verendete. "Selbst schuld", dacht Lilly. Sie hatte den Aufstand geprobt und diese Herzschmerzsongs gespielt. "Let me love you, your the one for me..." Wütend hatte Lilly den Aufstand niedergeschlagen, laut fluchend auf die Boxen eingeschlagen und um sich tretend die Befreiung der summenden Melodien erkämpft. Ein Stöhnen und die Anlage hauchte ihr Leben aus.

Was sollte sie denn jetzt tun? Auf dem Schreibtisch stappelten sich die Bücher, das Geschirr in der Spüle zog es in Erwägung die sich selbst zu reinigen, das Chaos wollte sich selbst beseitigen. Dennoch: es war nichts zu sehen. Lilly wusste nicht, wo sie anfangen sollte, sie wusste nicht, was sie tun sollte. Der Antrieb, er war hier irgendwo verschüttet - unauffindbar.

Sie legte sich zurück ins Bett und starrte an die Decke. Spitz wölbte die Raufasertapete ihre pickelige Schönheit nach außen.

Ja, Lilly hatte einen Fehler gemacht. Sie hatte sich falsch verhalten. Sie war zu weit gegegangen. Das war nicht zu entschuldigen. Egal welche Situation, egal wie lustig, egal wie unbedeutend, egal wie digital. Sie bereute, sie litt.

Immer und immer wieder hatte sie die Zeit der Uhren verstellt in der Hoffnung, dass die Zeit der Welt ihrem Beispiel folgen würde. Doch diese fiese Realität hatte sie verraten. Kein Stück, nicht ein klitzekleines Bisschen hatte sie sich zurück bewegt. Einmal hätte sie ruhig eine Ausnahme machen könnnen, aber nein. "Ich bin die Zeit, ich gehe immer nur vorwärts und blicke nie zurück" hatte sie ihr tanzend ins Gesicht geschrieben. Lilly hatte sie deshalb ausgesperrt. Auch wenn sie wimmerte und gegen die Tür klopfte. Hier kam sie nicht mehr rein. Ihr doch egal.

Sie dachte über Liebe nach. Einfaches Wort, mit einem Gewicht von Tonnen. "Liebe ist großmütig, sie verzeiht alles" blitze eine Textzeile aus der Bibel vor ihr auf. Dabei war sie doch Buddhistin. Doch war es so einfach? Liebe stellt auch Bedingungen.
...

Kommentare:

Lars hat gesagt…

Schöne Text, trauige Geschichte, freundliche Grüssen.

Miriam hat gesagt…

Oh ja, traurig aber wunderschön :)

kreuzberger hat gesagt…

Erst sperrt Lilly die Sonne aus und jetzt auch noch die Zeit. Wo soll das nur hinführen?

btw: Schön, dass Du wieder da bist.

ICrossMyHeartAndHopeToDie hat gesagt…

Ja, also, ich kann mich dem Kreuzberger nur anschließen.

Die Zeit wird Lilly nicht anhalten können und somit nichts rückgängig machen können, das muss sie erkennen.

Aber ich bin überzeugt, dass sie das schafft. :o)

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Lars: Danke!

Miriam: Ja manchmal muss es auch traurig sein.

Kreuzberger: Ja, vorerst bin ich wieder da. Und mal sehen, ich hab mir noch kein Ende überlegt. Vorschläge?

Icrossmy..: Weiß ich nocht nicht, hab ich noch nicht beschrieben. Lilly ist übrigens nicht zwangsweise autobiografisch falls du das denken solltest.

ICrossMyHeartAndHopeToDie hat gesagt…

Nein, daran dachte ich nun nicht, Madame. :o)

Zu dem Ende: etwas unklares, aber dennoch zuversichtliches, das fände ich toll. (Ich hoffe du verstehst, was ich meine ^^)

kreuzberger hat gesagt…

Wie es ausgehen soll? Hauptsache kein kitschiges Happy End. Dann sogar lieber Splatter oder ein Besuch in einer chinesischen Oper... ;)

Eine Frage noch: Was soll denn "vorerst" bitteschön heißen?

Man in Metropolis hat gesagt…

Losgelöst vom Text, schön wieder etwas von Ihnen zu lesen....

SirParker hat gesagt…

Hallo :)

ist Teil drei schon in Vorbereitung?

Lenny_und_Karl hat gesagt…

icrossmy..: Ja ich überleg noch, was das Ende angeht, denk aber an den Vorschlag.

kreuzberger: Chinesische Oper, nee dann wirds ja wirklich schlimm. Vorerst heißt, dass man nie weiß, was passiert.

MiM: Danke, freut mich auch.

SirParker: Ja ist er und die vier auch. Lilly bleibt wohl erstmal.