Montag, Oktober 08, 2007

Lilly - Teil 3

...
Liebe stellt Bedingungen. Sie besteht auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Freundschaft. Fehlte eine dieser Säulen erschütterte das ihre zarte Seele und brachte sie ins Wanken.

Lilly sackte zusammen und breitete sich auf dem harten, anschmiegsamen Parket aus. Weit streckte sie Arme und Beine von sich. Neben ihr stand ein bauchiges Glas, der Deckel war offen. Unter der Decke tanzte seit Tagen das Vertrauen. Sie hatte stundenlang versucht es einzufangen, bekam das glitschige Ding aber nicht zu fassen. Zweimal war sie kurz davor, doch jedesmal sprang ihr die stachelige Verletzheit dazwischen. Sie hasste diese doofe Katze ihrer Mitbewohnerin. Ihr Fell war ständig voller Stacheln aus den Gebüschen und dank ihr hatte sie sich auch noch den Knöchel verletzt.

Langsam begann sich die Decke zu drehen. Immer schneller rotierte sie. Lilly wurde schlecht. Sie hatte alles versucht: gebettelt, geweint, geschimpft, bereut, beschworen. Nichts half. Niemand hörte ihr zu.

"Ich liebe dich" hörte sie eine Stimme von der Straße. Sie kannte diese Stimme, denn eigentlich war sie hier im Zimmer, in ihrem Kopf. Das Leben wollten sie teilen, eine Wohnung - ein Zuhause. "Doch um dir das zu verzeihen, reicht sie wahrscheinlich nicht aus." Sagte die stimmte tonlos und strich sich selbst mitleidig über den Kopf.

Sie begriff diese Logik nicht. "Diese Liebe reicht nur für die guten Zeite, nicht für die schlechten. Er kann nicht verzeihen, er sammelt deine Fehler. Bewahrt sie auf, abgeschlossen und sieht sie sich bei Bedarf an." Immer wieder hatte sie das zu sich selbst gesagt - immer noch konnte sie daran nicht glauben. Immer noch weinte sie, wenn sie darüber sprach, immer noch...

Kommentare:

Man in Metropolis hat gesagt…

MiM sprachlos ist ... und gebannt wartet wie es weiter geht.

Monsieur Fischer hat gesagt…

viel glück, lilly!

Dirk hat gesagt…

Große Güte. Ich hoffe sehr, dass es sich nicht um eine autobiographische Geschichte handelt. Ehrlich.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

MiM: Der nächste Teil ist schon fertig, mal sehen, wann es den gibt.

Monsieur Fischer: Ja Lilly könnte ein wenig Glück gebrauchen. Mal sehen, ob ich ihr das gönne.

Dirk keine Angst nicht alles ist automatisch völlig autobiographisch.

kreuzberger hat gesagt…

Na dann mal her mit dem nächsten Teil, Verehrteste. Ich wüsste nämlich gerne, was Lilly so Unverzeihliches getrieben hat.

SirParker hat gesagt…

Und irgendwann muss Lilly erkennen, dass er durch das Sammeln von Fehlern sich nur auf diese konzentriert. Normalerweise beherrschen die guten Erinnerungen die Vergangenheit, weil der Kopf die schlechten automatisch in den Hintergrund rückt und sie nur ab und an erneut hervorbrechen lässt. Umgekehrt ist es leider nicht so - wer sich die schlechten Erinnerungen immer wieder in den Vordergrund der Gedanken ruft, versperrt sich damit den Blick auf die guten.

Das Vertrauen scheint unter der Decke weg zu wollen, raus in die Welt - und Lilly sollte es gehen lassen. Ihm einen kleinen Vorsprung lassen und es dann suchen. Denn das Vertrauen lässt sich zwar nicht fangen, man kann es aber halten, wenn es an dem Ort ist, so es sich richtig fühlt.

... und gegen die Katze (Verletztheit) sollte sich Lilly einen Hund (Verständnis) besorgen!

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Herr Kreuzberger ich weiß noch nicht, ob ich es verrate oder ob ich mich schon entschieden habe, was es ist.

Sir Parker das ist sehr schön, was sie geschrieben haben. Ich persönlich mag Hunde auch lieber als Katzen, aber ob die Lilly das auch so sieht?