Sonntag, Februar 03, 2008

Zu spät im Abo

Plong, Plong, Plooong.

Der kleine hölzerne Vogel fräst sich mit dem Schnabel in die Tür. Eine kleine längliche Delle hat er in den Jahren seiner Tätigkeit als Türklingel schon hinterlassen.

Plong, Plong, Plooongggg macht sich der Besucher bemerkbar, der vor der Tür wartet und an der Schnur zieht, um den Vogel zum Klingeln und Klopfen zu bringen.

Verschlafen mit kleinen Schlitzen an Stelle der Augen schlürpft Lilly zur Tür.

"Autsch" schreit sie, als sie sich diese beim öffnen gegen den großen Zeh schlägt. Plong, plong, plong macht der Holzvogel, den die Wucht aus dem Gleichgewicht gebracht hat.
Plong, plong, plongt antwortet der Zeh, der Schmerz signalisert.

"Jaha?" fragt Lilly in den zischend kalten Flur. Niemand ist zu sehen.

"Eeehemm", räuspert sich ein hohe dampfende Stimme kurz über dem Boden. Ein rotes Männchen steht dort. Kleidung, Haut einfach alles ist Rot. Bis auf einen kleinen weiß-grün gepunkteten Notizblock und die ebenso gepunkteten Ohren.

"Jaha?" schaut ihn Lilly genervt an.

"Ich___möchte", erwidert das Männchen, dass es nicht für nötig hält sich vorzustellen "ihnen das 'Zuspät-Abo' vorbei bringen."

"Was? Ich, aber...", doch sie kommt nicht zu Wort.

"Das Ganze läuft automatisch", fährt das Männchen fort. Die Spitzen der gepunkteten Ohren schwingen leicht vor und zurück.

"Keine bestimmte Laufzeit, keine Rückgabe, keine Kündigungsmöglichkeit. Sie nehmen es hin. Es passiert, es ist für sie bestimmt. Wenn Sie hier kurz unterschreiben!"

Mit viel Anstrenung hebt das rote Männchen sein Gewicht auf die äußerten Spitzen seiner Zehen und hält Lilly das weiß-grün gepunktete Papier entegegen. Bis auf den Farbverlauf der Punkte ist dort nichts zu sehen.

"Aber, das steht ja nix, ich will nicht unterschreiben, weil.... . Überhaupt, wer sind sie und was..."

"Sagte ich doch, alles automatisch", fährt das Männchen sie an. Mit festen, feucht-kalten Finger krallt er sich ihren Zeigefinger und drückt ihn schmerzvoll auf das Papier.

"Fingerabdruck reicht mir auch", kreischt er und hüpft - plötzlich leichfüßig - die Treppe hinunter.

Lilly senkt ihren Blick. Die Attacke hat kleine rote Abdrücke auf ihrer Haut hinterlassen, auf der Fingerkuppe sieht sie weiße und grüne Punkte, die langsam verblassen. Der Boden des Flurs und die Stufen sind gesprenkelt. Die Punkte glühen auf, bevor sie verschwinden.

"Seltsam", sagt sie zu sich selbst und schließt die Tür.

Sie kehrt in die Küche zurück, in der sie einen Joguhrt aus dem leicht angefrorenen Kühlschrank nimmt.

Plopp, reißt die Lasche des Deckels. "Na toll", denkt sie und verbringt die nächsten 5 Minuten damit den Becher möglichst ohne Kleckern zu öffnen.

PlongPlong. Macht es kurz hintereinander. Lilly dreht sich dem Geräusch zu und findet einen Zettel auf dem Tisch. Er ist weiß-grün gepunktet. Daneben liegt aus kleinen Punkten der Satz geschrieben: "Kleine Dinge, die verloren gehen und Zeit kosten."

Kommentare:

Man in Metropolis hat gesagt…

Ich persönlich halte nichts von Abos, v erehrte Frau Lenny_und_Karl.

kreuzberger hat gesagt…

Typisch - auf simple Lösungen wie "Messer in den Deckel stechen, einmal rundrum, fertig" kommen Frauen eben einfach nicht. ;)

MC Winkel hat gesagt…

Mir wird so weiß-grün-gepunktet!

Afrin Alburu hat gesagt…

Also ich habe die Gamestar abonniert und für meinen Bruder noch die aktuelle Batman Comic Serie ... aber ihren Eintrag, Frau Lenny und Karl ... verstehe ich in keinster Weise.

Ergo: oO?

Melli hat gesagt…

Kein Problem ist so groß oder kompliziert, daß man nicht davor weglaufen könnte......