Montag, Juli 07, 2008

Feuriger Abend

Eigentlich war alles ganz entspannt. Frau Lenny_und_Karl schaute kurz in den Spiegel und beschloss die Haare offen zu tragen. Schminke würde es nicht brauchen, denn für den Verlauf des späten Abends stand ein lauschiges Weggehen an.
An der U-Bahn Haltestelle verkraftete sie deshalb entspannter als sonst die Menschen in Glitzeranzügen, den bunten Blumengirlanden und den schlechtesten Lieder auf den Lippen. Schlagermove 2008: eine Veranstaltung, bei der Papa in seiner viel zu engen Schlaghose und Mutti mit bauchfreiem Top mal so richtig peinlich wurden.

Vor einer Bar wurden alsbald ein paar Stühle zurecht gerückt und so konnten alle gemütlich das Treiben beobachten.
Bis ja, bis: "Hey meine Nachbarin kommt gleich noch", informierte ein Freund Frau Lenny_und_Karl. "Die will ständig was mit mir unternehmen."
"Na ist doch super. Du bist beliebt", grinste sie zurück.
"Nee, will ich aber nicht, lass uns entspannt woanders hingehen."
Also flüchteten Frau Lenny_und_Karl und ihr Begleiter vor einer üblen Labertasche ins Haus 73.

"Meine Kollegen müssen hier sein. Ich schau mal ob ich sie finde."
Doch weder zwischen den wirren Elektrobeats, noch den Lounge-Klängen war jemand zu sehen.
"Hey Frau Lenny_und_Karl", schrie es aus der Ecke. Völlig hektisch und mehr als überschwenglich stürzte sich ein junger hübscher Mann auf die Frau Lenny_und_Karl. Der alte Mitbewohner aus der anderen Stadt. Was für ein Zufall und was für eine riesen Freude.
"Mensch ich hab noch heute an dich gedacht", grinste er bis zu beiden Ohren.
"Und ich habe vor zwei Stunden noch versucht dich anzurufen", antwortete Frau Lenny_und_Karl wahrheitsgemäß. Ach schön, so ein netter Abend.
Den Ausklang fand dieser auf einem großen flauschigen Sofa vor dem Eingang der Bar, von wo aus man alle Leute gut im Sichtfeld hatte.

Bis, ja bis plötzlich ein angestachelter Irrer zu Tür reinstürmte. Mit großen Schritten auf die Lehne des Sofas sprang, darüber hinweg, über das andere Sofa. Die Türsteher mit ihren schwarzen T-Shirts und den schwarzen Lederhandschuhen sahen lächerlich aus, sprinteten aber beherzt hinterher.
"Du hast hier Hausverbot", sagten sie in erstaunlich ruhigem und leisem Ton.
"Ich seid die lächerlichsten Deutschen, die ich je geshen habe", rief der Eindringling. Die innere Ruhe von Frau Lenny_und_Karl schien sich ein klein wenig zu lichten.
Sie lauschte der hitzigen Diskussion, die immer wieder darin mündete, dass sich der junge Mann den Türsteher näherte und nach lautstark nach einer körperlichen Abreibung verlangte.

Bis, ja bis: Ein feiner, feuchter Nebel traf Frau Lenny_und_Karl. Huch, hatte da jemand was verschüttet? Hinter ihr brach der hitzige junge Mann zusammen und hielt sich die Augen. Pfefferspray. Sah äußert unangenehm aus und übte eine stark einschränkende Wirkung auf den Mann aus.

Frau Lenny_und_Karl schnappte ihren Begleiter "Lass uns gehen!" "Ich bin gerade so gut drauf, diese entspanndende Haltung will ich behalten. Und müde bin ich auch", gähnte sie und rieb sich die Augen.

Alles war gut bis, ja bis... : "Ich glaube ich muss mich mal vorsichtig von dir zu Bahn führen lassen", flüsterte Frau Lenny_und_Karl und hakte sich bei ihrem Begleiter ein. Sehr unglücklich war der feine Pfefferspraynebel auf ihre Haut, die Hand und schließlich auch ins Auge geraten. 15 Minuten konnte sie das Auge nicht öffnen und auch das zweite tränte etwas. Nur vage schaffte sie es Menschen und Häuserwänden auszuweichen.

"Krass wie rot das Auge ist. Da sind wohl einige Äderchen geplatzt."
Frau Lenny_und_Karl schaut mit einem sauren Lächeln aus einem noch weißen und einem roten Auge auf ihren Begleiter: "Wer sich lustig macht, erlebt gleich, wie schnell es geht, wenn mir noch was platzt!"

Bis auf unnatürliche Farben um die Iris des Auges herum, war dann auch wieder alles gut, bis, ja bis... Frau Lenny_und_Karl versuchte mit Gesichtreiniger die Reste des Sprays aus dem Gesicht zu waschen. Das funktionierte suboptimal. Die gesamte Haut fing an zu Brennen. Glücklicherweise war sie plötzlich sehr sehr müde und schlief - nicht mehr ganz so entspannt - ein.

Kommentare:

Man in Metropolis hat gesagt…

Kollateralschäden kommen leider vor. Bedauerlich wenn es unschuldige junge Frauen trifft.

Sie haben mein Mitgefühl Frau Lenny_und_Karl.

MC Winkel hat gesagt…

Da rate ich aber mal dringendst zu einer Pfefferspray-Impfung, Frau L_u_K!

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Danke, das kann ich auch gebrauchen. Ich teil es mir ein, damit es nicht zu schnella aufgebraucht ist.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Na Herr W. wenn Sie es vormachen und dann zum Händchehalten (weil es bestimmt weh tun wird) mitkommen, gern doch!

Jörn hat gesagt…

Mitgefühl auch aus meiner Reihe, Frau Lenny_und_Karl!

Gruß,
Kollege Simpson ;-)

kreuzberger hat gesagt…

Fühle auch mit, frage mich aber auch, wo die Fotos der roten Augen sind.

basser hat gesagt…

Wenn die wenigstens mit nem Pfeffersteak geworfen hätten... Da hätte man ja noch was mit anfangen können, aber so... Sie sollten so etwas dort mal anregen.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Vielen Dank Jörn, das weiß ich sehr zu schätzen.

Herr Kreuzberger ich kann ihre Sensationslust leider nicht stillen. Es gibt davon keine Fotos, weil ich in diesem Moment wahrlich nicht dazu in der Lage war.

Herr Basser ich werde das anregen. Bin sehr gespannt, ob die Türsteher sich auf eine intellektuelle Konversation einlassen (können).

ICrossMyHeartAndHopeToDie hat gesagt…

Oh, na da wollte ich sie doch glatt fragen, ob sie mir nicht Hamburg zeigen, wenn ich demnächst mal vorbei komme, aber wenn ihr so das Unglück anzieht lassen wir das lieber bevor ich noch was ins Auge bekomme ;o)

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Na ich zeig Ihnen gern Hamburg. Dafür müssen Sie eben nur die Gefahr lieben und rechtzeitig Bescheid sagen, denn meine Wochenenden sind oft seeehr ausgebucht.