Montag, Dezember 15, 2008

Mitternächtliche Begegnungen

Es ist dunkel und es ist kalt. Die Luft ist klar.
Sonntags gegen 0 Uhr bin ich auf dem Weg nach Hause. Die Fahrt in die Hansestadt war anstrengend, doch er Weg von der U-Bahn zur Wohnung ist nicht mehr allzu weit. Quietschend ziehe ich die Reisetasche rollend hinter mir her. Über die Kopfhörer des Mp3-Players läuft laut etwas House.
Ich friere ein wenig und will nach Hause. Der Weg ist vertraut, ich kenne ihn. Jeden Pflasterstein, jeden Busch und jeden Mülleimer am Straßenrand. Es ist eine ruhige Gegend. Um diese Uhrzeit ist kaum etwas los. Ein paar Autos aber selten Menschen auf der Straße.

Kurz vor der letzten Ampel sehe ich eine Bewegung aus den Augenwinkeln. Etwas scheint hell im Licht der Straßenlampen, ein weißes Leuchten.
Ich sehe auf und sehe, dass es auf mich zukommt. Doch es nicht etwas, sondern es ist er. Ein Mensch. Ein Mann. Ungefähr 1,80m oder 1,85m groß. Und er ist nackt. Vollkommen nackt. Weder Schuhe noch Socken. Mir schießt Adrenalin durch den Körper, mein Herz schlägt schneller. Er kommt mir entgegen. Die Hände hat er vor dem Oberkörper und er spielt seinen Fingern.
Auf seinem Gesicht liegt ein ganz merkwürdiger Blick. Die Augen sind aufgerissen, der Mund zeigt ein debiles, entrücktes Lächeln. Er starrt mich an, so durchdringend psychopathisch. Ich vermeide seinen Blick und gehe schneller. Mich umzusehen, traue ich mich nicht. Ich gehe noch schneller. Ein verstohlener Blick zeigt, dass er umgedreht hat und die Straße wieder hinauf läuft, in meine Richtung. Langsam, nackt, mit entrücktem Blick. Ich überquere die Ampel - bei rot und fummele mit zittrigen Händen meinen Schlüssel aus der Jackentasche. "Hoffentlich folgt er mir nicht oder rennt plötzlich zu meiner Haustür."
Ich drehe den Schlüssel im Schloss und schaue mich noch eimal um. Der nackte Mann steht unentschlossen auf der anderen Seite der Straße an der Ampel. Die Tür springt auf. Ich hieve meine Tasche in den Hausflur. Die Tür schließe ich sorgfältig und versichere mich, dass sie geschlossen ist. Ein wenig zitternd laufe ich die Treppen hinauf und bin erst etwas erleichtert, als die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt.
"Hey Mitbewohnerin, kommt mal ganz schnell zu mir ins Zimmer ans Fenster", rufe ich. Wir schauen beide auf die Straße, doch die ist leer. Er ist weg.
In meinen Ohren höre ich noch das Klopfen meines Herzen und beschließe zukünftig die andere Straßenseite zu benutzen.

Kommentare:

Man in Metropolis hat gesagt…

Verehrte Frau Lenny_und_Karl, in solchen Mpmenten bin ich recht froh ein Kerl von stabiler und robuster Natur zu sein.

pulsiv hat gesagt…

sorry... ich wars. ich hab mich nich getraut, dich anzusprechen. :P
wie hat ihnen mein schniepel gefallen? :D

nina hat gesagt…

oh gott, sie arme! da hätte ich auch angst bekommen. zum glück ist nichts passiert. haben sie denn inzwischen etwas erfahren können, was dieser mann da wollte? so nackt und unheimlich?

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Naja, er war ja nicht bewaffnet oder so. Das konnte ich definitv sehen, Herr MiM. Aber schlimm wars schon.

Wieso erschrecken Sie denn nachts unschuldige Frauen, Herr Pulsiv. Davon abgesehen, wissen sie wie kalt es gestern genau war?

Nein, ich weiß rein gar nichts, Frau Nina. Auch nichts in der Hamburger Morgenspost. Das wäre das Mindeste gewesen, wie ich finde.

Anonym hat gesagt…

Ist der Beitrag wirklich von Ihnen Frau LuK oder könnte es sein, dass er im Zusammenhang mit dem Blogwichteln aus fremder Hand entstanden ist?
Gruß

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Wer sind sie, dass sie anonym kommentieren? Der Beitrag ist nicht nur von mir, die Begegnung ist sogar so real, dass ich sie vor kurzem selbst erlebt habe und mein Herz beim Gedanken daran immer noch klopft.

pulsiv hat gesagt…

wie kalt es war? so kalt, dass ich mir jemanden zum kuscheln gesucht hab. und sie, gnädigste, waren einfach nicht kuschelig genug. :P

robert hat gesagt…

Für den Fall sollte man eigentlich immer eine rostige Heckenschere dabei haben.

Aber im Ernst: Ich wüßte gar nicht, was ich sagen sollte, begegnete mir so ein Kerl. Zügig nach Hause ohne Blickkontakt war da wohl die richtige Entscheidung. Ich müsste wohl erstmal lachen.

Parkster hat gesagt…

Warum rennen eigentlich nie nackte Frauen an mir vorbei? ;)

Abe rmal Spaß beiseite, ich würde mir für den Fall, dass weitere Irre da rumlaufen mal Pfefferspray zulegen (ist zwar im Einsatz gegen Menschen verboten, aber die könnten ja auch einen scharfen Hund dabei haben!)

... alternativ hättest Du auch sagen können "Na, ich hab aber schon Joints geraucht, die dicker waren!" oder "Hmm, vom Geruch her hätte ich ihn mir größer vorgestellt!".