Montag, März 23, 2009

Pöbeln

Ständig treffe ich sie. Sie gibt es einfach überall und zu jeder Zeit. Leute, die mit ihrem Verhalten oder ihren Äußerungen so nerven, dass ich sie einfach mal anpöbeln muss.

Sonntagabend in der U-Bahn. Das Wochenende war anstrengend und die Fahrt noch viel mehr. Also Stöpsel in die Ohren und einfach nur noch schnell nach Hause. In der fast leeren Bahn lässt sich ein dicker, unförmiger Mann eine Reihe weiter - mir gegenüber - auf die Bank fallen. Sein Pfannkuchengesicht strahlt. So weit so schlecht, aber noch erträglich. Er packt seine "Flying"-Zeitschrift aus und beginnt zu lesen. Nach zwei Minuten wandern seine dicken Knubbelfinger zu seinen Nasenlöchern und er versucht mit der Fingerspitze darin zu puhlen. Er erreicht nur das untere Ende, weil die fleischigen Finger zu dick sind und die runde Nase von den Versuchen derbst nach oben gedrückt und noch knubbeliger wird. Die Brille darüber drückt sich langsam gegen die Stirn. Den Finger wischt der 40jährige an der Bank ab. Weiterlesen. Keine Minute später erneutes Puhlen, Schieben und Drücken der Nase. Eine Minute später die gleiche Geste. Mir wird übel. Innerhalb von fünf Minuten wandern seine Finger sieben Mal zur Nase. Es reicht: "Na meinen Sie nicht, Sie hätten das letzte bereits aus sich und der Nase rausgeholt oder was hoffen Sie zu finden? Ihre Finger passen sowieso nicht in die Nase und das Suchen nach spektakulären Schätzen in ihren Nasennebenhöhlen will sich hier keiner ansehen", rufe ich ihm entgegen. Stille. Ich muss aussteigen.

An der Tankstelle herrscht bekanntlich viel Vekehr - liegt in der Natur der Einrichtung. Natürlich ist es dann super, wenn eine Gruppe wohlsituierter junger Erwachsener mit gesteiftem Hemdkragen vor den Tanksäulen so im Weg steht, dass eine Ausfahrt kaum möglich ist und die Personen fast mit dem Blech des Wagens auf Tuchfühlung gehen. Natürlich nicht ohne abwertend zu gucken. Ich lasse das Autofenster herunter und rufe: "Na was ein Glück, dass ihr die einzigen Menschen auf der Welt seid und ihr deshalb zum Plaudern mitten auf der befahrenen Schneise der Tankstelle stehen könnt. Ist ja auch ein Unding, dass womöglich sogar Autos zu und von den Zapfsäulen weg wollen, bei dem schönen Wetter. Wie unhöflich von uns."

Überhaupt glauben viele Menschen allein auf der Welt zu sein und stehen deshalb gern mitten auf dem Radweg und sind empört, wenn man klingelt, mit Absicht haarscharf an ihrem Gesicht vorbei lenkt und das mit "Idiot, das ist ein Radweg und keine Parkspur für lahme Mittfünfziger" kommentiert. Überhaupt sollten Langsamlatscher und im Wegrumsteher viel öfter angepöbelt werden. Weil sie Mitten im Fußgänger-Verkehrsfluss stehen bleiben, sich um sehen und überlegen. "Genau einfach mal mitten auf dem Weg stehen bleiben. Ist ja auch kaum was los zum Samstag hier in der Innenstadt. Schon blöd wenn man nicht gleichzeitig gehen UND denken kann."



All das denke ich sehr oft. Rumpöbeln ist mir grundsätzlich extremst sympathisch. Selbst bin ich leider meist zu anständig und denke mir diese Einfältigkeiten, anstatt sie herauszuschreien. Vielleicht sollte ich das mal ändern.

Kommentare:

Man in Metropolis hat gesagt…

Verehrte Frau Lenny_und_Karl, lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf. Wenn Sie es nicht sagen, sagt es sonst niemand. Zur Not, Handyfoto schießen, Bild ins Netz stellen und kommentieren.

MC Winkel hat gesagt…

Also ich bin da wesenltich ausgeglichener.

Aber was Langsamlatscher und im Wegrumsteher betrifft - anrempeln. Wenn nicht sogar UMrempeln. Die lernen das sonst nie, die blöden Arschl*cher.

Die DiVa hat gesagt…

Ich, wertes Fäulein Lenny_und_Karl, trete solchen Menschen ja meistens disskusionslos vors Schienbein und laufe dann so schnell ich kann.

Herzlichst und wie der Blitz

Ihre DiVa

Melli hat gesagt…

Bei manchen Leuten ist eben selbst ein Gehirnschlag ein Schlag ins Leere...

#5 hat gesagt…

ich sage meist oft auch nichts, sondern denke mir meinen teil. so zum beispiel am sonntag im kölner dom (besuch wollte unbedingt rein). neben uns stand ein kleiner japanischer junge der in seine playstation gefallen war und ein ego shooter spiel spielte.. ich bin zwar nicht sonderlich religös aber das fand ich abartig unangemessen. ich glaube ich sollte es üben dann etwas zu sagen. vielleicht kriege ich ja auch einen diplomatischen ton hin.