Mittwoch, April 22, 2009

Zweisam, dreisam - einsam

Die Türen hinter ihr schlossen sich langsamer als sonst. Das Quietschen der Schienen plätscherte dahin. Lady Waterkant dachte an die einsame Frau, die Kategorie und die Schublade in der sie verschwunden war. Mausgrau, himmelgrau, bleichgrau war diese. Punkt für Punkt mit bunten Klecksen übersäht, aber ganz tief drin dennoch grau - die geistige Schublade für Personen die vormachten zu sein, was sie sein wollten, nicht konnten, aber versuchten und denen der Zweifel ihrer selbst immer haften bliebt, offensichtlich und grau. Manchmal heimlich, schmal und leise kroch Lady Waterkant selbst in diese Schublade. In windstillen Momenten, in ruhigen Stürmen mitten inzwischen den Massen. Dann trennte die graue bunt getupfte Lade sie von all denen unter denen sie sich befand, die aber nicht bei ihr waren. Sie sah das Gesicht der einsamen stolzen Frau und sah hinter den weißen Fleck auf der braunen, glänzen Iris. Dort tanzte ihre Spiegelbild parellel. Gerade war sie noch mittendrin. Schwamm in der Gesellschaft der anderen, suhlte sich im Frohsinn der Zweisamkeit und wurde dann "platsch" plötzlich nass von der sozialen Interaktion.

Dann kroch sie nicht in die Schublade, diese sog sie ein. Ein langes Einatmen, kalt, zugig und ohne Gegenwehr. Drin wurde die Lade durchsichtig und sie konnte milchig und groß alle anderen erkennen, weit weg und nicht dazugehörend. Beste Freunde, die Romanze, getrennt durch die Scheibe, die aus Grau, Holz und Milchglas all das einschloss, was sie überforderte - sie selbst.

Ein Krachen und ein kurzer spitzer Schmerz. Lady Waterkant war über ihre Träumereien gegen einen Mann auf der entgegenkommenden Rolltreppe gelaufen. Sie verzog das Gesicht, er lächelte. Sie wunderte sich, er lächelte, sie schaute verständislos, er lächelte sie an. Sie verschwand schnell in die andere Richtung. Und lächelte.

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