Dienstag, Juni 16, 2009

Andere Länder, andere.... Couchsurfer

Ich hatte bereits erwähnt, dass ich seit einiger Zeit Couchsurfer bin. Ein bekannter Poetry Slammer brachte mich auf die Idee und wurde dann schnell zu meinem ersten Couchsurf-Gast. Eine sehr entspannte und inspirierende Erfahrung, die dazu führte, dass wir mittlerweile befreundet sind.

Nach ihm surfte ein echter Rock-Sänger aus Schweden meine Couch. Groß, blond, blaue Augen und mit einem unglaublichen Talent Songs zu schreiben und zu singen - ein Schnittchen, dass in Blue Jeans und weißen Unterhemd am Frühstückstisch saß. Danach hatte ich die Ehre eines echten Sizilianers, auf dessen Land ich jederzeit eingeladen bin.
Ein Grieche, der seit Jahren nichts anderes macht als zu reisen und zwischendurch jobbt, fand bei mir ebenfalls ein Dach über den Kopf.

Nun ist mir bewusst, dass man sich auf die Gewohnheiten aus anderen Ländern einstellen muss. Versuche ich tatsächlich. Mein letzter italienischer Gast strapazierte meine Geduld jedoch ein wenig.

Zunächst schaute er auf einer Party vorbei, um schon mal "Ciao" zu sagen, bei der Verabschiedung drückte er mich bereits etwas zu doll, doch das schob ich auf den angesäuselten Zustand. Ich half ihm aus einer Notlage, da sein Gastgeber spontan absagen musste und ich ihn für spontan eine Nacht aufnahm, damit er nicht draußen übernachten musste.
Dafür waren jedoch unzählige E-Mails und SMS notwendig. Am besagten Tag wollte er gegen 14 Uhr vorbei schauen, blieb dann auf einem Konzert hängen, diskutierte dann mit mir, weil ich auch Pläne hatte und war dann doch einverstanden erst um 21 Uhr vorbei zu schauen.
Gegen 23 Uhr stand er dann vor der Tür. Er bekam eine heiße Suppe, Käse-Brötchen und Tee.
Gegen 1 Uhr drängte ich auf meine wohlverdiente Nachtruhe, weil wir uns auf ein Verlassen des Hauses um 10 Uhr am nächsten Morgen geeinigt hatten. Er blieb die nächsten zwei Stunden lieber in der Küche.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits verteidigen müssen, weil ich keine Dreadlocks wollte, obwohl ich damit vieeeelll besser aussehen würde, musste mir sagen lassen, dass Public Relations doch eh was ist, was ein Türsteher vor einer Diskothek macht und ob es mir nicht möglich wäre einen Partner für meine Reise zu finden, weil das doch besser wäre.

Morgens gegen 10 Uhr schlief mein Couchsurfer noch tief und fest. Ich klopfte laut, öffnete die Fenster und bat ihm zum Frühstückstisch. Brötchen und Franzbrötchen als Hamburger Spezialität für den Weg -dazu Tee. Ich war ja Gastgeber
Die Küche fing extrem an zu müffeln, er roch moderig. Ok, jeder ist anders. Ich öffnete das Fenster. Er bestand darauf den Abwasch zu machen. Der Wasserhahn lief, das Geschirr wurde darunter gehalten, mit der bloßen sauber gewischt und noch nass in den Schrank gestellt - ich bedankte mich und spülte am Nachmittag erneut. Ich schaltete die Waschmaschine an und freute mich am Anblick der hochgeklappten Klobrille in meinem frisch geputzten Bad - Stehpinkler machen mich ja latent aggressiv. Ich putzte später den Toilettenberei erneut - mit Sagrotan.

Auf Gäste und Sitten anderer Länder muss ich bei solchen Aktionen einstellen -sehr gern, sehr spannend, deshalb verbuchte ich das meiste einfach unter "kulturellen Unterschieden", die ich ja mehr oder weniger nur eine Nacht ertragen musste.

Ich begleitete ihn zur U-Bahn und musste eher einsteigen als er. Natürlich gibt es von einem 1,50 großen Italiener ein Umarmung zum Abschied. Die darin gipfelte dass er mir mit der Hand extremst aufdringlich, zudringlich und wild durch die Haare fuhr.
Ich stieg in die Bahn und versuchte meine Hand zu kontrollieren, die ihm so unkontrolliert ins Gesicht schlagen wollte.

Kommentare:

M.i.M. hat gesagt…

Ich habe einmal an einem interkulturellem Umzug teilgenommen. Ein Freund zog um. Ein Argentiener mit seiner französichen Freundin, die sich in Brasilien kennengelernt hatten, ein Malteser, ein Inder und 3 Deutsche waren dabei.

Was für ein Durcheinander. Besonders die unterschiedlichen Arbeitseinstellungen waren... sagen wir... interessant.

Ich kann Sie daher sehr gut verstehen, liebe Frau Lenny_und_Karl.

Ich finde die Entscheidung GEGEN die Dreadlocks übrigens sehr gut. Hüten Sie sich bitte davor, sollten Sie in entsprechende Gefilde kommen, doch noch darauf umzuschwenken.

Herr Schmidt hat gesagt…

Kann man bei Couchsurfer auch hübsche Popsängerinnen kennenlernen, liebes Fräulein L_u_K?
...oder attraktive Musicaldarstellerinnen?

kreuzberger hat gesagt…

Wenn ein 1,50 Meter großer Mann sich an Sie drückt, stellt sich ja leider nicht nur die Frage, wo seine Hand landet.

Mathias hat gesagt…

@ kreuzberg
lol

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Ja Herr MiM, die Entscheidung fand ich auch gut. Werde mich sicher auch in Zukunft nicht für Dreadlocks entscheiden.

Sie können mich da kennenlernen, Herr Schmidt, DAS sollte doch ausreichend sein.

1,50m Herr Kreuzberger war geschätzt. Ich habe bei allen anderen Sachen auf ihre Position geachtet, glauben sie mir, mein Sicherheitsabstand war sonst nie unter einem Meter, könnne Sie glauben.

Ja Mathias, lustig hätte das auch werden können. :-)

Parkster hat gesagt…

Ha, Geschirr spülen! Wusste schon, warum ich bei meinem Besuch nicht auf diese Idee gekommen bin ;)