Dienstag, Juli 07, 2009

Geduld

Das erste, was ich beim Reisen in Asien gelernt habe ist, dass hier vieles etwas länger und der Reisende vor allem Geduld braucht. Da ich morgen auf die Nachbarinsel fahre, dort ein paar Tage bleibe, dann vielleicht noch eine weitere Insel sehe, bevor ich zurück nach Bangkok fahre, weiß ich noch nicht, wie oft ich im Internet sein werde. Deshalb erstmal ein längerer, zweigeteilter Blogeintrag, weil der nächste vielleicht auf sich warten lässt:

1. Die Sache mit dem Fliegen
Von Hongkong flog ich mit Ethiopian Airlines nach Bangkok. Schon der Check-in war abenteuerlich, da die Afrikaner mehre dutzende Kisten mit an Bord nehmen wollten. Nach stundenlangem Warten saß ich in der Maschine, der man deutlich ansah, dass sie bereits sehr, sehr viele Flüge hinter sich hatte. Ich blies mein Nackenkissen auf und war schon fast eingeschlafen, als ich einen Tumult bemerkte. 20 Afrikaner standen in der Mitte des Flugzeugs und diskutierten aufgeregt. Wir standen im Airport. Viele, viele Minuten später, hatten fast alle ihre Sitze verlassen und zwei New Yorker Jungs saßen in meiner Nähe. Sie erzählten mir, dass ein Fahrgast einen Flugbegleiter geschlagen haben soll und sich nun weigerte das Flugzeug zu verlassen. Die Polizei wurde gerufen.

Ewig später traf die Polizei ein. Das änderte nichts. Nun wurde in afrikanischen Stammessprachen, auf Englisch, Französisch und Chinesisch diskutiert. Jeder Afrikaner hatte etwas zum Thema zu sagen.

Ewig später erklärten sich zwei Fluggäste - starke Männer - bereit, während des Fluges neben dem Mann der zugeschlagen hatte zu sitzen und auf ihn aufzupassen. Das führte zu weiteren, hitzigeren Diskussionen.

Ewig später sagte der Flugbegleiter dem Mann: "If you don't leave the plane, they'll come and beat you up." Das führt zu weiteren Diskussionen in allen Sprachen, mehr aber auch nicht.

Zwischendurch wurde alle aufgefordert sich wieder zu setzten. Das klappte immer so für zwei Minuten, danach rotteten sich die Afrikaner wieder zusammen um zu diskutieren, untereinander, mit dem Schlagkräftigen, dem Personal, der Polizei.

Ewig später bot ein afrikanischer Geschäftsmann Geld für ein anderes Ticket, wenn der Mann das Flugzeug verlassen würde. Diskussionen, aber keine Veränderung der Situation.

Geschlagenen zwei Stunden dauerte es bis der Mann das Flugzeug endlich verließ. Unfassbar. Ein Ewigkeit, die dazu führte, dass ich nachts um 3 Uhr am menschenleeren Flughafen in Bangkok landete. Glücklicherweise mussten die beiden New Yorker in ähnliche Richtungen und nahmen mich im Taxi mit, so dass ich sicher am Ende einer Seitengasse im Dunkeln, vorbei an Thai-Mädchen mit blonden Touristen im Arm, in meinem schönen Hostel landete.


2. Kleine Reiseerkenntnisse
  • einseitiger Sonnenbrand ist unschön, aber kinderleicht zu bekommen
  • frische Kokosnussmilch aus der Kokosnuss schmeckt gar nicht nach Kokosnuss
  • ganz frisches Kokosnussfleisch aus der Kokosnuss schmeckt auch nicht nach Kokosnuss
  • der Asiate sagt immer ja - das bedeuten selten, dass er Ahnung hat
  • auch vom Nichtstun bekommt man dreckige Fingernägel
  • Geckos machen Geräusche, als wären sie Vögel im Stimmbruch
  • Fleisch oder Eier kann man kühl oder in der direkten Sonneneinstrahlung aufbewahren
  • Ein Wasserbüffel im Garten ist dekorativer als gedacht
  • 25 Grad können äußerst frisch sein - im Sinne von kühl
  • Adäquate Badebekleidung wird oft überschätzt - leider
  • wo man hingehört, merkt man an der Toilette, die man liebt

Kommentare:

ChliiTierChnübler hat gesagt…

ad 1) Männer!
ad 2) Campylobacter spp. vermehren sich bei 42°C besonders gut.

Falk hat gesagt…

mensch ich muss mich doch auf dem laufenden halten über deinen trip (ich meine die reise ) - wenn du wieder da bist werd ich wohl urlaub nehmen müssen, damit wir alles ausführlich besprechen können...also wünsche eine gute zeit!!!

kreuzberger hat gesagt…

Sonnenbrand, dreckige Fingernägel, Nichtstun - hört sich nach einer guten Reise an.

Parkster hat gesagt…

Das sind Erlebnisse, die ich so nicht teilen möchte, die aber andererseits Teil Deines Abenteuers sind... sonst wär´s ja langweilig.

Das mit der Kokosnussmilch konnte ich auch schon feststellen, wenn auch nicht frisch von der Palme.

Dir wünsch ich weiterhin viel Spaß und uns neue Berichte vom andern Ende der Welt.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Frau Chnuebli: 1. Kommt noch und 2. will ich lieber nicht so genau wissen.

Ja Falk, musst du. Nehm mir dann auch Zeit nur fuer Sie mein Bester.

Ja finde ich auch, Herr Kreuzberger. Aber saubere Fingernagel will ich trotzdem.

Ach klar, waeren Sie einmal hier Herr Parkster wuerden Sie zum Abenteurer mutieren und sich mit mir durchs Unterholz schlagen wollen.

der Kaiser hat gesagt…

Wasserbüffel sind dekorativ?

MC Winkel hat gesagt…

Achten Sie mal auf die Doppel-Löwen in diveresen Eingangsbereichen. Wo steht das Männlein?

Herr Schmidt hat gesagt…

Die letzte Zeile werde ich mir in Form eines schönen Blechschildes in mein Haus hängen, liebes Fräulein L_u_K. Fantastisch!

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Ja Herr Kaiser, die bewegen sich kaum und sehen manchmal aus wie Statuen.

Sie meinen, dass das Maennchen in Konkurrenz zum europaeischen Durchschnitt steht?

Das will ich dann auch sehen und dann auch ein eigenes haben. Machen Sie mir auch eines.

juf hat gesagt…

Oh, hatten Sie denn vor der Reise genug Geduld umgetauscht? Hä?

me. hat gesagt…

hatten da nicht eher die blonden touristen die thai-maedchen im arm? ;-)

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Nein leider nicht Herr juf, der Wechselkurs war zu mies. Aber hier in Thailand kriegt man die an jeder Ecke - fuer ein Appel und nen Ei.

Nein, me, diesemal war das wirklich die echte wahre Liebe. Also viele (alte) Maenner werden ja abgezockt, aber bei denen, ja bei denen war das anders. Das 20jaehrige Thaimaedchen war wirklich in den 65jaehrigen verliebt und hatte nen kranken Bruder und arme Eltern, denen sie dringend Geld geben musste. Ehrlich!