Sonntag, August 16, 2009

Laos Review

Es ist 5 Uhr morgens. Lautes Kraehen dringt durch die hoelzernen Fensterrahmen in das dunkle, gemuetliche Zimmer aus demselben Material. Es wird hell draussen, die Sonne verbirgt sich aber noch hinter dem Horizont. Langsam ziehe ich die Bettdecke zur Seite, stehe auf und ziehe mich an. Ich bin nicht in Eile, die Zeit ist perfekt und Stress ist an diesem Ort nahezu unbekannt. Dieser Ort, dass ist Luang Prabang in Laos. Das Weltkulturerbe ist eine beschauliche Stadt mit franzoesischem Charme, eingerahmt vom Mekong River.

Gegen 5:30 Uhr oeffne ich die Tuer - sie knarzt und quietscht und macht den Charme des Hauses mit dem alten, schweren, dunklen Holz perfekt. Das Tapsen der nackten Fuesse ueber den Boden gesellt sich zum Kraehen des Hahns, der nicht aufgibt in seinen Bemuehungen.

Draussen ist die Luft angenehm warm, ein kleiner Wind weht durch mein Haar. Auf der anderen Strassenseite kniet ein einheimisches Paerchen und wartet. Ich laufe die Strasse hinunter Richtung Stadtkern. Leise rauscht der Mekong River in seinem gelben Schlammton durch die Morgenroete, hoch hoben auf den Berg wacht das Wat majestaetisch und friedlich.

Links und rechts und die Strasse ist hier ploetzlich belebt. Die ersten Haendler bieten ihre Waren an. Doch sie sind kaum aufdringlich, eher ruhig. Eine Menge Touristen sind um diese Zeit bereits wach, viele Einheimische knien auf der linken Seite der Strasse und warten. Die Atmosphaere ist gespannt oder eher erwartungsvoll, still und tiefgehend.

Am Ende der Strasse ist Bewegung zu sehen. Die Masse teilt sich langsam und ein leuchtend organgefarbenes Meer schwappt langsam in die Innenstadt. Dutzende Moenche aufgereiht wie perfekte Perlen an einer Schnur bahnen sich ihren Weg. Sie sind barfuss, sie sind stolz, sie sind schweigsam. Langsam ziehen sie an den Leuten auf ihren Knie vorbei, oeffnen geraeuschlos die Deckel ihrer huebschen Schuesseln und nehmen die Gaben entgegen. Sie sind jung - meist Schueler, angefuehrt von ihrem Lehrer.

Eine Zeremonie wie jeden Morgen, ein Moment der Stille, ein andaechtiges Ritual dass durch die Haltung der Moenche mit Anmut, Schoenheit, Klarheit, Frieden und Stolz erfuellt wird. Gibt es einen perfekten Moment, einen Moment der Beruehrung der Einzigartikeit, dann kommt dies dem sehr nah.





Kommentare:

Lauffrau hat gesagt…

Ich bekomme Fernweh!

ICrossMyHeartAndHopeToDie hat gesagt…

Nichts gegen das Geräusch nackter Füße auf Holzböden, das mögen auf jeden Fall alle Männer ;o)
Aber nun bleibt die theologische Frage, ob die Leute den Mönchen geholfen haben aus ihrem Karma rauszukommne und ins Nirvana überzutreten, denn das regelmäßige Spenden sammeln, um zu überleben war nun nicht so die echt Philosophie des original Buddha...

Herr Schmidt hat gesagt…

Wenn ich um diese Uhrzeit aufstehen müsste, wäre ich ein eher unausgeglichener Mönch, befürchte ich. Sie haben aber den Text sehr, sehr schön geschrieben, liebes Fräulein L_u_K.

nodch hat gesagt…

5:30 Uhr? Ich dachte Sie wären im Urlaub? ;)

kreuzberger hat gesagt…

Sehr stimmungsvoll. Da wünscht man sich doch sofort, auch da zu sein.

MC Winkel hat gesagt…

Ha, Sie haben ein neues Notizbuch. Diesen Text haben sie unmöglich eben mal schnell im Internetcafé geschrieben.
Schön.

Lenny_und_Karl hat gesagt…

Ja Lauffrau, ich habe auch Fernweh - immer noch!

icrossmy... Es ist nicht das Karma der Moenche. Die Leute geben den Moenchen, um ihr Karma fuers naechste Leben zu verbessern. Moenche sind hier keine Bittsteller - es ist eine sehr stolze Zeremonie.

Das ist sehr nett, dass sie das sagen Herr Schmidt. Vielen Dank!

Och hier ist es viel leichter aufzustehen. Aber ich hab mich danach nochmal ins Bett gelegt. Sagen Sie es aber nicht weiter.

Kann ich verstehen Herr Kreuzberger. Es ist wunderbar hier!

Lieber Herr W. ich habe ein neues Notizbuch - ein Geschenk eines Maedels das ich traf. Es ist wunderschoen aber: Den Text habe ich mal eben geschrieben - im Bett bei meiner Couchsurfing-Gastfamilie!