Mittwoch, Dezember 19, 2012

Vom Fahren und Mitfahren

Lieber Stefan,

ich habe hier deinen Namen geändert, aber meine Antwort geht an dich und all die Stefans da draußen, die Mitfahrgelegenheiten anbieten.
Ich wollte sehr gern bei dir mitfahren, denn ich finde das Prinzip das Auto mit anderen zu teilen, eine gute Idee.
Bei einer solchen Reise bin ich auch recht anspruchslos. Ich fahre durch die halbe Stadt zum Treffpunkt, nehme gern mal weniger Gepäck mit und meckere nicht, wenn der Fahrer aus dem Fenster raucht. Es gibt allerdings eine Sache, die ich bisher viermal erlebt habe und auf die ich keine Luste mehr habe.

Ich möchte nicht hinten auf der Sitzbank mit drei Leuten eingequetscht sitzen. Nicht über eine dreistündige Fahrt, noch über eine sechstündige Fahrt.
Weil du aber drei Leute hinten in deinem Fahrzeug platzieren möchtest, habe ich die Mitfahrt bei dir abgesagt. Das fandest du unglaublich und konntet das gar nicht verstehen.
Sicher ist das schwer nachvollziehbar, bei all dem Reiseluxus den dir der einzelene Fahrerplatz bietet. Deshalb möchte ich dir kurz erklären, warum ich mir geschworen habe, nicht mehr hinten mit drei Leuten zu reisen.

1. Das Platzangebot
Du meinst mit drei Mädels auf der Rückbank wird das nicht eng. Das muss nicht stimmen. Da die Fahrten telefonisch abgesprochen werden, kann man nie wissen welches Leibesfülle die Person mitbringt. Richtig ist, dass die Chance hoch liegt, dass eine Frau nicht so hoch gewachsen ist. Gut für die Beinfreiheit. Die Chancen dass ein kleines übergewichtiges Mädchen mitfährt oder drei breite Frauenbecken den Sitzplatz signifikant minieren ist jedoch hoch. Ich verzichte auch gern auf die Körperwärme einer fremende Person, die mir so nah ist, dass ich von der Hüfte bis zum Knie in Vollkontakt stehe. Mit jeder Bewegung schubble ich an meiner Kurzeitbekanntschaft herum und traue mich deshalb kaum, mich zu bewegen.

2. Der mittlere Sitz
Ich hatte bereits das Vergnügen in Autos zu sitzen, die im Grunde nicht für fünf Personen ausgelegt waren. Klar konnte ich auf der Rückbank in der Mitte sitzen, aber die Rückenlehne war im Winkel von 90 Grad zum Sitz angeordnet wenig gepolster und damit nur so mittel ergonomisch. Besser noch: Nach ungefähr einer Stunde hatte ich verdammte Rückenschmerzen, drehte mich soweit möglich nach links, rechts oder vorne. Aber es half nix. Ich wusste, ich muss sicher noch weitere 4,5 Stunden sitzen und überlegte mir sämtliche Ibuprofen und Aspirinvorräte aller Mitreisenden einzuverleiben, um wenigstens leidlich vor mich hindämmern zu können. ABER, hier schließt sich das dritte Problem an.

3. Die Schlafposition
Da man beim Mitreisen gern mal müde ist, vom anstrengenden Elternwochenende, der Geburtstagsfeier oder ähnlichem, bietet sich ein Nickerchen an. In der mittleren Position ist das nicht so einfach. Da man die Füße rechts und links neben der Mittelkonsole abstellen muss und dann auch schon die Nachbarsfüße daneben stehen, kann man sich nicht ergonomisch lümmelnd weiter nach unten schieben, ohne zugleich die eigenen Knie im Gesicht zu haben. Zudem muss man sehr gerade mit dem Kopf nach hinten überstreckt einschlafen, denn mittig fehlt es oft an einer Kopfstütze. Wenn man dann beim Einschlafen das erste Mal zur Seite wegnickt, kommt das schnelle Aufschrecken und die Angst, dem Fremden neben dir bereits den Schlafspeichel auf die Schulter gesabbert zu haben. Nackenkissen oder zum Kissen geknüllte Jacken, mindern dieses Problem auch nur minimal. Also nix mit Schlafen oder beqem sitzen.


So kann es nämlich aussehen lieber Stefan. Von unangenehmen Körpergerüchen, kratzigen Pullover oder Hunden, die dir aus dem Kofferraum auf die Schulter sabbern und Hundfuttergeruch verbreiten, spreche ich ja noch gar nicht.
Du kannst auch gern drei Leute auf deiner hinteren Sitzbank platzieren, aber überlass doch bitte mir die Entscheidung, ob ich mich dort kuschelig einzwängen möchte oder nicht.

Viele Grüße
Lenny_und_Karl

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