Donnerstag, August 22, 2013

Von Psychedelisch bis Hardcore - Typologie der (Metal)-Festivalbesucher



So ein Festival wie das Elbriot (17. August in Hamburg) bietet ja immer viel Platz für ganz besondere Besucher.
Manche bestätigen die Klischee, andere wiederum sind überraschend dort zu finden. In jedem Fall war es ein großer Spaß, Leute zu gucken und kleine Schubladen für sie zu bauen. Hier deshalb eine kleine Typologie der Metal-Festival Besucher.

Der Hardcore-Metaller: Er gehört zu den alten Hasen, hörte schon vor 20 Jahren Metal. Er läuft lässig und ein bisschen grimmig guckend über das Festival. Natürlich ganz in schwarz und am besten mit einem sehr, sehr alten Slayer T-Shirt, um der Jugend mal zu zeigen, dass sie noch Quark im Schaufenster waren, als er das erste Mal die Finger zum Metal-Gruß in die Luft reckte. Die langen Haare geben vorn am Kopf den Platz für die verlängerte Stirn frei, werden hinten aber immer noch schön schwarz gefärbt. Stil muss sein.

Die jungen Metaller: Sie sind Fans durch und durch, gehen zu jedem Festival und wollen, dass das alle sehen. Deshalb lassen sie die Tradition der Jeansweste mit Aufnähern wieder aufleben. Auf jedem Konzert oder Festival kaufen sie sich am Merchandise-Stand zu allererst, ein kleines Stoffsymbol. So reihen sich die Fetzen mit der Aufschrift Wacken 2010 bis 2012 nebeneinander auf und auch Slayer wird mit verschiedenen Flicken auf der angeranzten Wäsche gehuldigt. Bleiben zwei Fragen offen: Stimmt es, dass die jungen Dinger die Westen vollschwitzen, aber aus Prinzip nicht waschen? Und greifen Sie selbst zu Nadel und Faden oder näht Mutti nach jeder Veranstaltung die Aufnäher an die richtige Stelle?

Die Metal-Diva: Sie geht ganz in Metal auf. Aber bitte mit Stil. Schwarzer kurzer Rock, schwarze Fingernägel, gern ein paar Ketten und viele Ringe. Die Beine bekleidet einer schwarzen oft zerrissenen Strumpfhose und die Schuhe sind Mega-High Heels. Wie sie darauf einen ganzen Festivaltag übersteht ist ein Geheimnis. Übrigens: Eine Variation der Metal-Diva ist die New Metal-Diva. Sie bringt ganz verrückt Farbe ins Spiel: Pink oder Lila für die Haare, eine leuchtendes Accessoire oder auch Strümpfe in einer Knallfarbe.

Das gemeine Metal-Mädchen: Sehen wir der Wahrheit ins Auge. Weibliche Metalfans sind entweder Divas oder dickliche Mädchen in Band-T-Shirt. (Es gibt eine Welt dazwischen, aber deren Population ist leider sehr, sehr klein). Das Metal-Mädchen blickt in ihren schwarzen Klamotten meist sehr traurig drein. Vielleicht liegt es daran, dass das T-Shirt kneift, weil es eigentlich eine Nummer zu klein ist oder weil die Stacheln am Nietengürtel bei zuviel Bewegung in den Rettungsring pieksen. Sie sind leicht ungepflegt aus und unterscheidet sich äußerlich kaum vom männlichen Durchschnitts-Metaller. Also genau hingucken.

Der Psychedelic-Besucher: Meist ist sie weiblich und scheint sich irgendwie auf das Festival verirrt zu haben. Sie gehört hier nicht hin, aber wahrscheinlich gehört sie in keine uns bekannte Welt. Sie trägt ein sackartiges wild gemustertes Kleid, das bis zur Mitte der Wade geht. Das Color-Blocking wurde von ihr erfunden - aus  Versehen. Sie dreht sich im Kreise. Wiegt sich hin und her und lacht zwischendurch. Sie ist glücklich, da wo sie ist.

Der Zottel-Metaller: Davon gibt es mehr männliche als weibliche Exemplare. Er züchtet die Haare bis zur maximalen Länge, ist aber mit der Pflege nicht ganz vertraut. Da wachsen die Dreads aus alten Zeiten raus, das Gestrüpp hängt strähnig vom Schädel oder ist gerade dabei sich selbst zu Dreads zu pflechten. Vorsicht: Es besteht die Gefahr darin hängen zu blieben. Also nicht zu nah rangehen.

Der Biker-Metaller: Ein absoluter Klassiker. Er ist ein ganz harter Typ. Volltätowiert schauen Beine, Arme und Kopf aus einer strengen Lederkluft hervor. Die Tattoos sind entweder Tribals, ein Portrait seines toten Boxers oder eine Motorrad. Er trägt zur Glatze gern Lederweste und man sollte ihm nicht in die Quere kommen. Wer quatschen will sollte das woanders tun, denn der Biker-Metaler möchte unbeweglich und mit verschränkten Armen den Bands lauschen.

Eltern: Davon gibt es verschiedene Kategorien. Die lustigsten sind Mütter, die in gemusterten, dezent sommerlichen Outfits ihre jungen blonden Töchter begleiten. Sie haben sich Stöspel ganz tief in die Ohren gesteckt, schauen aber tapfer und starr auf die Bühne. Die Teenager Tochter tut ihr Möglichstes sie nicht zu beachten und redet den ganzen Tag strikt kein einziges Wort mit ihr. Könnte ja noch jemand denken, dass man mit Mutti da ist. Dann gibt’s den Vater, der selbst irgendwie ein bisschen ab und an Metal hört und einfach mal nen kleinen Ausflug mit dem Sohn macht. Er kauft Brause und ist eigentlich ganz entspannt. Der Hardcore Vater hingegen, war immer härtester Fan. Er boxt den Weg für sich und seinen Sohn bis ein paar Reihen vor der Bühne frei, animiert ihn zum Crowdsurfing und filmt das dann mit seinem iphone.

Diese Kategorien lassen sich natürlich noch ausdehen. So habe ich den Hipster-Metaller gar nicht erwähnt, der in Pastellfarbener Hose aber mit Band T-Shirt glaubt, er hätte sich gut getarnt im Metal-Dschungel und sich angepasst. Oder die Metal-Pärchen, die ganze eigene nicht immer hübsch anzusehende Überlebensstrategien entwickelt haben. Oder auch das Festvial-Mädchen, dass diesen Sommer einfach zu jedem Festival geht, weil sie gerade einen Sommer frei hat..... Ergänzungen sind hier immer willkommen.






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