Donnerstag, April 24, 2008

Bewahrt den Anspruch

Der Spiegel berichtet heute in eigener Sache.

Eine Reporterin des Magazins wurde vom Bundesnachrichtendienst überwacht, insbesondere ihr E-Mail Verkehr mit einem afghanischen Politiker stand im Fokus.

Im Grunde sollte ich nicht überrascht sein, wie sehr der Datenverkehr im Netz doch transparent und nachvollziebar ist, von jedem, der die Mittel dazu kennt. Dennoch bin ich es manchmal ein bisschen, wider besseren Wissens.

Und: Ich kriege jedesmal eine kleine Gänsehaut, wenn ich lese oder sehe, wie sich der Journalismus wehrt. Wie er auf seine Freiheit und sein Recht bestehen.

Vielleicht liegt es daran, dass in meinem Herzen noch eine Journalistin wohnt. Es kann auch daran liegen, dass hier die Ansprüche an einer so oft um ihr eigene Hoheit betrogenen Disziplin wieder hervorblitzen. Dass sich an der ein oder anderen Stelle die Unabhängigkeit und Objektivität wieder an die Oberfläche kämpft und versucht die Hülle rein zu waschen - den Dreck der PR und Werbung loszuwerden.

Ach ich finds irgendwie gut. Auch wenn ich genau erklären kann, das Gefühl manchmal schreien und sich wehren zu müssen.

Mittwoch, April 23, 2008

Von wegen chaotisch...

Hab gerade hier einen kleinen Test entdeckt und mich schnell durchgeklickt.
Ergebnis: Zur besseren Übersicht habe ich das wichtigste mal fett markiert.

Ihre rechte Gehirnhälfte dominiert über Ihre linke!

Die meisten Menschen mit einer ausgeprägten rechten Gehirnhemisphäre - so wie Sie - sind in den meisten Lebenslagen sehr flexibel. Ob es darum geht, feine Nuancen eines Musikkonzerts heraus zu hören, die subtilen Details in einem Kunstwerk zu erkennen oder die Welt von einer neuen Perspektive aus zu betrachten, Menschen wie Sie sind kreativ, haben Phantasie und passen sich gut Ihrer Umgebung an. Viele Menschen halten Ihre Denkweise für außergwöhnlich und das mag sich auch auf Ihre physikalische Umwelt übertragen.
Manche mögen Sie für etwas chaotisch halten. Das bedeutet nicht, dass Sie unorganisiert sind, es bedeutet nur, dass Sie andere Wege finden, Ihre Dinge zu ordnen (nach Thema, Farbe oder Datum). Stringente Alphabetisierungen und akkurat geordnete Hefter entsprechen nicht dem Naturell von Menschen mit einer ausgeprägten rechten Hemisphäre.

In your Face ihr Nörgler von wegen Chaos und so!
Mein Naturell ist eben auf kreative Lösungen angelegt, Aktenpapiere zu stapeln ist ab heute Kunst!

Dienstag, April 15, 2008

Abstinenz und Absolution

"Hey wir wollen am Freitag ein bisschen feiern gehen."
"Super. Sehr gut Idee, da bin ich dabei."
"Klasse. Wir treffen uns voher bei mir. Ein bisschen quatschen und Sekt trinken. Nach dem Vorglühen gehts los!"
"Ja ist ok."
"Ich habe noch zwei ganz besondere Flaschen und dann kenn ich ne Bar in der können wir auch noch schnell nen Cocktail trinken."
"Mmm naja ok."


So oder so ähnlich ist das immer mit abendlichen Vergnügungen. Vorglühen und dann weiter rausgehen. Ist ja nix schlimmes dabei. Nun trinkt Frau Lenny_und_Karl aber nichts Alkohlisches. Und bevor jemand fragt: Ja, nie!

Das kommuniziert sie auch, wenn die Situation es erfordert oder der geneigte Sektspender danach fragt. Das läuft auch nach einem immer ähnlichen Muster ab.
"Nein danke, ich trinke nicht."
"Ach musst du fahren?"
"Nein."
"Ach, trinkst du etwa gar nicht?"
"Ja"
"Nie?"
"Nie!"

Im Anschluss folgen nachfragen, die diesen komischen Zufall ergründen wollen.
"Hast du mal schlechte Erfahrungen gemacht?" - Sehr beliebt und je nach Alter der fragenden Person, die erste Frage die gestellt wird, alternativ:
"Nur kein Sekt oder auch andere Sachen nicht." - Auch gern mit einem verwirrten Gesichtsausruck begleitet.
"Schon lange?" - Meine Antwort darauf lautet dann: "Ja schon fast 10 Jahre". Bedenkt man das Frau Lenny_und_Karl erst weit unter 30 ist, folgen an dieser Stelle Ausrufe von "Krass! Echt? Hast du jemals getrunken? Wie hält man das nur ohne aus?" etc.

Natürlich möchte alle wissen, wie es zu dieser Laune der Natur kommen konnte.
Standardantwort meinerseits: "Mir schmeckt es nicht."

So und wer sich bis zu dieser Stelle gefragt hat, warum denn noch der ganze Eintrag: Jetzt wirds richtig nervig. Alle, ja so gut wie alle meinen in ihrer sektprickelnden Laune eine Absolution für diese arme nichttrinkende Frau Lenny_und_Karl erteilen zu müssen manchmal garniert mit Respekt.

"Das ist ja bewunderswert."
"Na find ich aber gut, dass du das so durchhälst." Und mein Lieblingssatz:
"Na das ist ja nicht schlimm!"

Echt? Nicht schlimm, da bin ich aber dankbar. Siehst du ,wie ich mich im Kreis freu? Schließlich bin ich totatal bewunderswert, weil ich es schaffe, ein Genussmittel NICHT zu mir zu nehmen, dass mir NICHT schmeckt.

Ich mag auch keinen Spinat, hasse Oliven und verachte die Haut, die sich auf warmer Milch bildet und esse diese deshalb nicht. Krass, oder?

LOS! BEWUNDERT MICH!

Dienstag, April 08, 2008

Einkauf

Im langen Gang der Haushaltsputzmittel schiebt ein Mann seinen Wagen quietschend vor sich her. Abrupt bleibt erstehen.
Mit kraftlosen Fingern zieht er eine Packung Tempo-Taschentücher nach der anderen aus dem Regal und begutachtet sie. Dann lässt er eine Großpackung in seinen Wagen wandern und noch eine und noch...
Nein er schmeißt förmlich eine Großpackung nach der anderen hinein. Eins, zwei, drei, vier... . Insgesamt 10 Packete finden den Weg in seinen Korb. Den Platz darunter teilen sich drei große Flaschen Scheuermilch und zwei Flaschen Putzmittel. Seine Suche im Reinigungsmittelgang geht weiter.

Ich sehe den Mann an. Er riecht leicht muffig. Seine schwarze Stoffjacke sieht abgetragen aus. Weiße Schuppen und Dreckspuren bedecken sie von oben bis unten.