Freitag, Februar 27, 2009

Explosion (Teil 2)

Schorsch stülpt die Gotcha-Maske mit einer fließenden, nahezu geschulten Bewegung über den Kopf. Flink greift er nach seiner Jacke, zieht sie an und verschließt den Reißverschluss sorgfältig. Er greift sich den Besenstil, den er bereits bei der letzten Aktion vom borstigen Ende befreit hatte. Das Klebeband liegt griffbereit. Das lange scharfe Messer schnürt er gekonnt an das obere Ende des Stils. Er schaut sich um und entdeckt die dicke Decke im Wohnzimmer, die er noch schnell vor sich in den Flur wirft. Dann duckt er sich hinter die helle Holzplatte, hält diese im festen Griff und macht sich bereit für den Angriff.

"Hey Moment", schreit Murmel dazwischen. "Wie ist das Passwort man, sag das Passwort."

"Hä, waf meinft duuu?" grummelt Schorsch nur schwer verständlich mit hochrotem Kopf hinter der Maske.

"Das Passwort, man, ich brauche es für deinen PC. Wenn du drauf gehst, dann krieg ich den natürlich."

"Wschorchwmumelfwei", grummelt Schorsch zurück.

"Schorschmurmelzwei. Ok. Groß und Kleinschreibung? Ach was, das finde ich schon raus." Murmel wendet sich zu Lenny_und_Karl.

"Wenn der ins Krankenhaus muss, ist schon klar, dass du da mitfährst. Ich kann das nicht machen."

"Warum?"

"Na ich muss dann den PC in mein Zimmer tragen."

Klatschend schlägt das Holz gegen den Türrahmen. Schorsch hat sich in Bewegung gesetzt. Langsam robbt er in den Flur. Nach und nach schiebt er die hölzerne Platte vor sich her. Seine Jeans schabt über das Linoleum. Mit einem Ruck wirft er die Decke über die Plastikflasche. Er führt vorsichtig das Entschärfungsmesser am Stab zur Flasche und mit einem lauten "Pffffffffiiiffffff" entweicht der Druck.

Schorsch - der Held - betritt mit geschwellter Brust die Küche: "Entschärft", grinst er glücklich. "Aber was habe ich nur falsch gemacht? - Ich weiß: mehr Wasser".

Wortlos reicht im Murmel eine weitere Plastikflasche an. Schorsch löffelt das Trockeneis hinein, füllt eine Menge warmes Wasser auf, schreit "Vorsicht!" und wirft die geschlossene Flasche in den Flur.

Mit einem ohrenbetäuben Knall ist die WG sofort halb taub. Nur Schorsch, der holt sich geplatzte Trophäe, hält sie in die Luft und grinst.



(Und wer jetzt immer noch glaubt, ich erfinde WG-Geschichten: Beweisfoto)

Montag, Februar 23, 2009

Explosion (Teil 1)

Tapptapp, tapptapp, tapptapp. Hüpfend beschwingt schiebt sich Schorsch über den Flur. Mit einem kleinen Satz überspringt er das blaue Bastrollo, das der neue Teppich in der Küche ist.
"Hey Lenny_und_Karl du bist ja da."
"JUHU Schorsch, wie gehts?"
"Seeehr jut", grunzt Schorsch mit tiefer röhrender Stimme. Ein breites Grinsen lässt die weißen Zähne im gedämmten Schein des baluen Flurneonlichts strahlen.
"Ja, seeehr jut, ich hab ein neues Spielzeug. BOMBENZEIT", ruft er langezogen und sein Kopf verschwindet hinter dem Türrahmen in der Küche.
Mit einem Satz schwingt sich Lenny_und_Karl von der Couch und steht fluchs neben Schorsch am Waschbecken in der Küchen.
"Schau", ruft er ganz stolz. "Isch hab Trockeneis."
"Was? Woher denn?"
"Na aus dem Labor", triumphiert er. "Ich habe einfach gesagt, dass ich da jetzt mal was mitnehme", grinst er und klopft stolz und mit Anerkennung für die eigene Leistung auf eine Box aus Styropor.
Er hüpft einen Meter weiter, greift sich den Hammer und schläg etwas Trockeneis aus dem Block in der Styroporbox. Er wirft die Brocken in eine Schüssel und zerschlägt sie weiter. Murmel steht schon bereit und reicht ihm respektvoll eine Plastikflasche, die von Schorsch sorgsam mit dem kalten Gut gefüllt wird.
"So jetzt alle weg! Achtung, Vorsicht, Bombe", schreit er einmal durch die WG. Dann füllt er die Flasche blitzschnell mit heißem Wasser und sprintet zur Flurtür, verschließt den Deckel und wirft die Flasche in den Flur.
Er grinst "Die Finger würde ich mir lieber in die Ohren stecken", sagt er zu Lenny_und_Karl. Ohne zu Fragen folgt sie seiner Aufforderung, gespanntes Warten, Aufregung, mehrere laute kurze, knackende Geräusche aus dem Flur.
Dann herrscht Stille.
Nichts.
"Verdammt, da läuft was schieft, wieso passiert nichts? Das hat wohl nicht geklappt."
Er zuckt die Schultern, das Gesicht ist enttäuscht. Schorsch bückt sich zum Regal und fängt an zu suchen. Als er sich wieder umdreht, hat er erneut ein schäbiges Grinsen auf dem Gesicht.
"Haha, dann wird es jetzt wohl Zeit für die Entschärfung", spricht er und streckt die Gotcha-Maske in die Luft.

(Morgen - Teil 2)

Dienstag, Februar 10, 2009

Introducing: Lady Waterkant

Der Pepe hat mir diesen Namen schon vor langer Zeit gegeben und vor einer Weile habe ich beschlossen, diesen mit Leben zu füllen. Deshalb gibt es ab jetzt Lady Waterkant, die in regelmäßigen Abständen hier auftauchen wird - als Erzählung oder Geschichte. Einmal die Woche peile ich mal an.



"Man was für eine verfickte Scheiße", rief der Typ. Die gegeelten Haare hingen ihm in dicken tropfenden Strähnen ins Gesicht, als er mit hochrotem Kopf die Faust gegen die Straßenbahntür schlug. Nass blieb er am Bahnsteig zurück, während die Bahn sich ungerührt monoton davon schlängelte. Lady Waterkant zuckte kurz zusammen. Wasser, dicke fette Wassertropfen auf dem Gesicht des Typen und das "Water" in ihrem Namen - das hatte sie mit ihm gemeinsam. Vielleicht auch das Frustlevel, doch niemals würde sie es so brutal offensiv ausleben. Sie kratze sich mit dem Finger im Ohr und bewunderte den fetten gelben Punkt, gemischt mit einer kantigen dunklen Kruste. Sie sollte aufhören ständig im Gesicht zu kratzen und zu knibbeln. "Aber nicht heute", dachte sie sich und steckte den Finger in den Mund. Bitter und salzig schmeckte es, irgendwie dreckig und gleichzeitig vertraut. Es schmeckte nach Kindheit.

Sie sah sich die Leute im Abteil genauer an. Jedes Detail wollte sie sehen. Sie starrte die Leute gern an. Versuchte es zu verbergen und hoffte gleichzeitig doch erwischt zu werden. Dieser kleine unangenehme Moment, in dem die andere Person merkt, dass sie gemustert wird. "Ausgucken", das war ihr Wort dafür. Ausgucken ist mehr als sehen. Es bedeutet Details auch zu erkennen, Bedeutung und Charakter zu erahnen und den Menschen darüber kleine Lebensgeschichten zu entlocken.
Für die Frau gegenüber bedeutete es, zu sehen, dass sie in ihrem teuren Rock und ihrer Strumpfhose jeweils ein Loch hatte. Das stark geschminkte Gesicht aber zeigte, dass sie nicht hierher gehörte. Sie war mal was, hatte was und konnte vielleicht auch was. Diese Zeiten waren vorbei, weshalb sie die alte, statusgebunde Kleidung weiter auftrug, denn leisten konnte sie sich diese nicht mehr. Die Zeiten waren vorbei. Ihre Haltung aber hinkte der Realität stark hinterher, sie war nicht so einfach abzulegen wie alte Kleidung und strömte durch ihren ganzen Körper.

Lady Waterkant teilte der Frau eine traurige Geschichte zu. Sie stellte ihr einen Liebhaber zur Seite, der Geld hatte, aber sie bereits mit einer jungen künstlichen Blonden betrog.
Die Bahn hielt, die Türen schoben sich quietschend auf und die kalte dunkle Luft trug die Ausguck-Geschichte davon. Endstation. Aussteigen.

Montag, Februar 09, 2009

Web 2.0

Ich lebe ja so völlig in meiner eigenen Welt. Morgens wird nach Outlook direkt netvibes gestartet. Darüber laufen wie selbstverständlich sämtliche Webinformationen, die ich für notwendig halte. Ohne fühle ich mich sofort abgeschnitten von der Welt.
Twitter, Facebook, Blogs, Communities, Mails und RSS-Feed brauche ich, um zu überleben.
Umso erstaunter bin ich immer wieder von Leuten, die das gar nicht interessiert.
Umso mehr freut es mich, wenn jemand interessiert ist und neugierig erste Schritte im unbekannten Social Media Bereich unternimmt.
Gern steh ich dann zur Seite, erkläre und begeistere.
Umso mehr freut es mich auch, wenn solch entzückende Rückmeldungen bei mir ankommen:

"Hi!
Ja, jetzt nehme ich ein Bad im Web 2.0, allerdings fehlen mir noch der Badeschaum und die Düfte. Und wenn alles komplett ist, möchte ich Wellen machen, weiß nur noch nicht genau wie."

Donnerstag, Februar 05, 2009

Äh nun ja,

Ruhig ist es hier. Still. Um nicht zu sagen: totenstill. Seit Wochen habe ich keinen vernünftigen Beitrag produziert. Aber dafür will ich mich gar nicht entschuldigen. Denn das war auch gut so.

Es ist nicht so, dass nichts passiert wäre. Eher im Gegenteil. Eine Menge ist passiert. Eine Menge wird noch passieren. Und eine Menge passiert hoffentlich nicht. Allerdings ist dies soviel, dass ich einfach nur mit mir beschäftigt war und bin. Ich weiß nicht so recht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Obwohl aufhören im Moment gar nicht drin ist.

Es gibt viele Gedanken und Überlegungen. Zwischenzeitlich hatte ich Zweifel ob ich überhaupt schreiben soll. Kann ich überhaupt schreiben? Ist das was ich schreibe gut, interessant oder überhaupt erwähnenswert? Oder ich bewegte mich von den Gedanken nach Qualität weg und fragte mich, ob ich überhaupt Lust habe zu schreiben. Bin ich ein Schreiberling oder mache ich mir da nur was vor? Kann ich das und will ich das überhaupt?

In jedem Fall habe ich eine Menge Ideen. Doch versprechen will ich an dieser Stelle nichts. Schließlich will ich mich ja nicht selbst unter Druck setzen. Der äußere Druck reicht mir im Moment völlig aus. Wenn ich soweit bin, dann ist es soweit und dann wird wieder regelmäßig gepostet. Ich freu mich drauf!